• Ein Gespräch mit Juden über Jesaja 53: Das »verbotene Kapitel« der hebräischen Bibel

    Das »verbotene Kapitel« der hebräischen Bibel

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    Die Reaktion: Das habe ich so noch nie gehört! Von Ariel Hyde

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Freitag, 12 Dezember 2014 – 08:37 Uhr

Jüdische Reue: Den heiligen Schabbat gebrochen

Den heiligen Schabbat gebrochen

Bild: DWerner - photocase.com

Ein Blick in die jüdische Seele. Aus einer Zeitschrift adventistisch-jüdischer Freundschaft. Von Richard Elofer

In seiner Jugend lebte der berühmte Maggid (Prediger) von Zloczow, Rabbi Jechiel Michael in einer bestimmten Stadt, wo er den ganzen Tag im örtlichen Beth Midrasch (Lehrhaus) saß und seinen Studien nachging.

In jener Stadt lebte ein einfacher Jude, der seinen Lebensunterhalt verdiente, indem er Reisende und Handelsware auf seinem Wagen transportierte. Eines Tages kam der Wagenführer völlig aufgelöst zum örtlichen Rabbi. »Hilf mir, Rebbe!«, weinte er. »Ich habe eine schreckliche Sünde begangen. Den heiligen Schabbat habe ich entehrt. Wie kann ich für meine Übertretung sühnen?«

»Wie ist das passiert?«, fragte der Rabbi.

»Letzten Freitag«, schilderte der Mann, »war ich vom Markt mit meiner Wagenladung auf dem Heimweg, da kam ich im Wald vom richtigen Weg ab. Als ich schließlich den Weg zum Stadtrand fand, war die Sonne bereits untergegangen. Ich war so besorgt gewesen wegen meiner Handelsware, dass mir erst bewusst wurde, dass der Schabbat schon begonnen hatte, als es bereits zu spät war …«

Als der Rabbi sah, wie leid es dem Mann tat, tröstete er ihn und sagte: »Mein Sohn, die Tore der Reue sind nie verschlossen. Spende der Synagoge ein Pfund Kerzen und deine Übertretung wird vergeben sein.«

Dieses Gespräch hörte der junge talentierte Rabbi Michel mit. Der Ansatz des Rabbis gefiel ihm gar nicht. »Ein Pfund Kerzen, um eine Schabbatentheiligung zu sühnen?«, dachte er bei sich selbst. »Der Schabbat ist eines der wichtigsten Mitzvot in der Thora. Warum nimmt der Rabbi das so auf die leichte Schulter?«

An jenem Freitagnachmittag brachte der Wagenführer die Kerzen zur Synagoge. Während Rabbi Michel missbilligend von seinem Tisch an der Wand zusah, legte er sie aufs Pult des Synagogendieners, damit er sie zu Ehren des Schabbats anzünde. Doch dies sollte nicht geschehen. Bevor der Diener eintraf, schnappte ein Straßenhund die Kerzen und fraß sie auf.

Der entsetzte Büßer rannte zum Rabbi, um ihm den Vorfall zu berichten. »Wehe mir!«, weinte er. »Meine Reue ist im Himmel abgelehnt worden! Was soll ich tun?«

»Du gibst dem Vorfall zu viel Bedeutung«, versicherte ihm der Rabbi. »So etwas kann vorkommen – es gibt keinen Grund, daraus zu schließen, dass G-tt* deine Reue abgelehnt hätte. Bring nächste Woche noch ein Pfund Kerzen zur Synagoge. Dann ist alles in Ordnung.«

Doch als der Diener am folgenden Freitagnachmittag die Kerzen anzündete, brannten sie unerklärlicherweise schon vor Anbruch des Schabbats ab. Nichts war mehr übrig. Bei seinem dritten Versuch eine Woche später, blies ein starker Windzug die Kerzen just in dem Moment aus, als der Schabbat begann und man konnte sie nicht mehr anzünden.

Der Rabbi erkannte jetzt auch, dass irgendetwas hier nicht stimmte. So bat er den Wagenführer, Rat beim großen chassidischen Meister zu suchen, bei Rabbi Israel Baal Schem Tov.

»Hmm …«, sagte der Baal Schem Tov, als er die Geschichte des Mannes hörte. »Anscheinend gibt es da einen jungen Gelehrten in deiner Stadt, der den Weg der Buße, den der Rabbi dir verschrieben hat, nicht gutheißt. Macht nichts! Bring einfach nächste Woche ein weiteres Pfund Kerzen in die Synagoge. Diesmal verspreche ich dir, dass alles gut gehen wird. Und richte dem Rabbi Michel aus, er möge mich doch mit seinem Besuch beehren.«

Rabbi Michel verlor keine Zeit. Sofort kam er der Bitte des Baal Schem Tov nach. Doch kaum waren er und sein Kutscher aufgebrochen, da brachen allerlei Schwierigkeiten auf ihrer Reise über sie herein. Zuerst geriet der Wagen in einen Graben. Dann brach die Achse mehrere Meilen vor der nächsten Stadt. Danach fuhren sie in die falsche Richtung. Als sie schließlich den Weg nach Międzyborz gefunden hatten, war es schon spät am Freitagnachmittag, und die Sonne war dabei unterzugehen. Sie waren gezwungen den Wagen stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen.

Rabbi Michel erreichte die Tür des Baal Schem Tovs eine Stunde nach Schabbatanbruch. Er war erschöpft und traumatisiert davon, dass er fast den heiligen Tag entehrt hatte. »Guten Schabbat, Reb Michel«, grüßte ihn Rabbi Israel, »komm herein und wärme dich am Feuer. Du, Reb Michel, hast die Sünde nie geschmeckt. Daher konntest du auch die Reue eines Juden nicht verstehen, die er fühlte, weil er den Willen seines Vaters im Himmel übertreten hatte. Ich hoffe, dass du nun etwas von der Qual verstehen kannst, die unser Freund erlebt. Glaub mir, seine Reue allein hat seine unbeabsichtigte Übertretung mehr als gesühnt …«

Aus: Shabbat Shalom Newsletter 608, 29. November 2014/7. Kislev 5775, Herausgeber: World Jewish Adventist Friendship Center

*Deutsche Juden haben die Gewohnheit im Wort G-tt, den Vokal nicht zu schreiben und stattdessen Adonai oder Ha-Shem zu lesen. Dies ist für sie Ausdruck der Ehrfurcht vor G-tt.
http://de.wikipedia.org/wiki/G’tt

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