• Das »Dickicht«: Wie es entsteht

    Wie es entsteht

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    … und wie man es rückgängig macht. Von Natasha Dysinger

Montag, 15 Juni 2020 – 08:21 Uhr

Das »Dickicht«: Wie es entsteht

Wie es entsteht

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… und wie man es rückgängig macht. Von Natasha Dysinger

Ich räkele mich und schaue auf. Neben mir der kleine Knirps beim Mittagsschlaf. Meine Augen wandern aus dem Fenster: Wie friedlich diese Aussicht – weite Wiesen, herumtollende Rehkitze, stolzierende Truthähne, wachsendes Heu und dahinter der Waldrand.

Ich liebe diese Aussicht.

Alles bis auf eines: Diese ungepflegten tausend Quadratmeter Buschwerk, und das gar nicht mal so weit weg von meinem Fenster!

Wie ist es soweit gekommen? Früher war es doch eine schöne Wiese?

Zuerst wurden dort einige Baumaterialien abgelegt. Dann wurde das Gras höher, konnte aber nicht zusammen mit dem Rest der Wiese gemäht werden – weil da immer noch das Zeug lag. Danach war das Grundstück eine Zeit lang unbewohnt und einige Bäume begannen zu wachsen, weil es nicht gemäht wurde. Als dann der kritische Punkt kam, an dem es hätte vom Buschwerk befreit werden müssen, ging es nicht – weil das Baumaterial noch da war. Die Gegenstände konnten nicht entfernt werden, denn überall wuchsen Gestrüpp, hohes Gras, Bäumchen und wilde Brombeeren … man kam nicht einmal an die Materialien dran, weil das Dickicht derartig undurchdringlich war.

Zwei weitere Jahre ging es so, weil das Land wieder unbewohnt war. Die Büsche waren zu groß geworden.

Die Wiese hatte sich in ein Dickicht verwandelt. Etwas Nachlässigkeit und etwas Zeit. Mehr war nicht nötig gewesen.

Ich wünschte, Paul käme endlich dazu, dieses Wäldchen zu roden.

»Warum Paul?«, höre ich in meinem Kopf und weiß, was es bedeutet. Aber ich habe eine Ausrede:

»Weil ich es nicht tun kann. Die Bäume müssen gefällt werden, das Dornengestrüpp muss mühsam durchkämmt werden, um alle möglichen Baumaterialien da rauszuholen, dann müssen wir den Traktor hierher fahren und die niedrigeren Teile des Dickichts mit der Machete entfernen, plus unser Söhnchen Ethan …«

»Warum fängst du nicht einfach mal an und schaust, wie weit du während Ethans Nickerchen kommst?«

Womit anfangen?

»Wie wär's mit deiner Astschere?« (Das Bild in meinem Kopf wirkt fast lächerlich. Das ganze Dickicht und meine Wenigkeit mit einer Astschere in der Hand).

Aber der Gedanke verschwindet nicht. Warum darauf warten, dass jemand anders da anfängt, wo ich anfangen könnte?

Oh, gut!

So geschieht es, dass ich mich mit einer einzigen Astschere in der Hand den tausend Quadratmetern Brombeeren, Baumaterial und stattlichen Bäumchen nähere und die ersten Schnitte mache.

Ein paar Wochen später, nachdem ich während der Nickerchen von Ethan immer mal wieder etwas gemacht habe, dazu die Hilfe meines Mannes und des Mähtraktors von meinem Neffen, ist ein Großteil des Landstücks geräumt. Ich habe unermüdlich geschnitten, geschleppt, verbrannt und die lagernden Metalle, Hölzer und Blöcke weggeräumt.

Dann folgen zwei Wochen anderer Beschäftigung, in denen ich nicht am Dickicht arbeiten kann. Und als ich das nächste Mal schaue, siehe da!, da wachsen die Brombeeren und das Unkraut wieder schnell und lebendig. Das Gras war in den letzten Jahren vom Dickicht erstickt worden, und wo kein Gras wächst, gibt es kein Halten für Brombeeren und Unkraut. Der einziehende Frieden wird durch aggressives, üppiges Unkraut gestört, das die Pause ü.b.e.r.a.l.l. genutzt hat.

Ich bin verärgert. »Du meine Güte! Sag Kaden, er soll dieses Unkraut so kurz wie möglich mähen! Es wächst schon, als wolle es sich nicht mehr stoppen lassen. Ich. werde. es. jedenfalls. nicht. mehr. machen!«

Da fiel der Groschen endlich. Eine liebevolle Hand hatte ihn fallen lassen und in tausend Quadratmeter Brombeergestrüpp versteckt, den ich im Schweiße meines Angesichts und im Dornengekratze und Zeckengekrabbel ausgraben musste. Eigentlich kannte ich ihn schon, aber ich brauchte die Erinnerung … noch einmal.

Es ist so viel schwieriger, ein Terrain zurückzuerobern, als es sauber und ordentlich zu halten.

Wenn wir unchristlichen Schrott auf unserer Herzenswiese landen lassen, anstatt alles unter Jesu Führung zu bringen, wächst Gestrüpp.

Wenn wir die üblichen Denkmuster zulassen, die keine heilige Liebe reflektieren, wird die Gnade erstickt.

Die ersten Schritte sind einfach: kleine Ausflüge im Kopfkino, kurz verweilen bei dem, was eben nicht wahr, rein, schön, von gutem Ruf, tugendhaft und lobenswert ist, innere Empörung zulassen über das, was diese Person gesagt, getan, nicht getan hat. Unversöhnliche Gedanken hegen, andere verurteilen, kritisieren. An Dingen hängen, die nichts mit der Ewigkeit zu tun haben …

Kleinigkeiten.

Aber »im Leben des wahren Christen gibt es keine unwesentlichen Dinge.« (Prophets and Kings, 488)

Dickicht kann wachsen. Es wächst erstaunlich schnell. In der Seele, aber auch aus ihr heraus.

Und wenn man sich endlich daran macht, diesen Herzensgarten zu säubern, du liebe Zeit! Es ist echt Arbeit. Und nach der Säuberung wollen dann doch all diese opportunistischen Unkräuter den gerodeten Platz einnehmen (Matthäus 12,43-45). Das Gras der Gnade und der Hingabe an Gottes Wort wächst nicht über Nacht nach.

Ständige Kontrolle und Disziplin sind nötig, nur um das zurückzuerobern, was man hätte in Schuss halten können, wenn man es einfach regelmäßig gepflegt hätte!

Autsch. Da war ja diese Aussage:

»Der Grund dafür, dass es Männern und Frauen so schwerfällt, ein Glaubensleben zu führen, liegt darin, dass sie nicht üben, in göttlichen Bahnen zu denken. Sie sind an die entgegengesetzte Richtung gewöhnt. Wenn der Verstand nicht ständig darin geübt wird, geistliche Erkenntnis zu erlangen und das Geheimnis der Frömmigkeit zu verstehen, ist er unfähig, die ewigen Dinge wertzuschätzen, weil ihm jegliche Erfahrung in dieser Richtung fehlt. Das ist der Grund, warum fast alle es anstrengend finden, dem HERRN zu dienen.« (Testimonies 2, 189)

Das wollte mich also das Dickicht lehren. Und ich bin froh über die Erinnerung. Froh, dass die heilige Hand wieder einmal auf das neue oder alte Dickicht hingewiesen hat, das in meinem Kopf wächst. Froh, dass die Gnade auch das allerschlimmste Dickicht zurückerobern kann. Und die Bereiche, die zurückerobert wurden … die wollen dann als Gnadenschatz gehegt und gepflegt werden.

»Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!« (Hosea 10,12)

Life Worth Living, 1. Juni 2020


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