• Über Reue wird nur noch selten gepredigt: In trügerischer Sicherheit?

    In trügerischer Sicherheit?

    Adobe Stock - Sergey Furtae

    Haben wir wahre Reue verlernt, weil wir meinen, sie schickt sich nicht für einen dankbaren und fröhlichen Christen? Von John Andrews

     
Montag, 15 Oktober 2018 – 09:12 Uhr

Über Reue wird nur noch selten gepredigt: In trügerischer Sicherheit?

In trügerischer Sicherheit?

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Haben wir wahre Reue verlernt, weil wir meinen, sie schickt sich nicht für einen dankbaren und fröhlichen Christen? Von John Andrews

 

Wir schweben immer in der Gefahr, diese demütigende, aber gleichwohl vortreffliche Tugend zu vergessen. Wollen wir uns nicht stets von den Aussagen der Bibel daran erinnern lassen, wie wichtig diese Tugend ist, die von Gottes Geist in unserem Herzen geweckt wird?

Von Natur aus gefällt uns die Reue nicht. Der Glaube ist uns angenehmer, lässt uns das herrliche Reich Gottes schauen. Die Hoffnung ist ermutigender, schenkt uns Zuversicht und lässt uns die Erfüllung von Gottes Verheißungen erwarten. Freude und Frieden ziehen wir der Reue vor. Denn Reue beginnt mit einer »gottgewollten Betrübnis« über die Sünde (2. Korinther 7,10), lässt uns unsere Fehler demütig und eilfertig denen bekennen, die wir verletzt haben und Gott, gegen den wir gesündigt haben.

Unsere Reue endet weder, wenn wir unsere Sünden erkennen, noch, wenn wir Gott um Vergebung bitten. Die Reue sucht nach Gelegenheiten das Böse wieder gutzumachen, das wir andern zugefügt haben, ob durch Ungerechtigkeit oder Herzlosigkeit, durch Verleumdung, Nachlässigkeit oder etwas anderes. Wir können die Sünden, die wir begangen haben, nie auslöschen, aber wir können allen zeigen: Unsere Reue über unsere Sünden ist aufrichtig und unser Charakter ist durch Gottes Geist verändert. Wir lieben und praktizieren das Böse nicht mehr!

Reue oder Selbstrechtfertigung?

Reue und Selbstrechtfertigung vertragen sich nicht. Wir können uns selbst etwas vormachen, Gott und unserer Umgebung aber nicht. Reue ist immer ehrenhaft, sie scheut keine Mühe, Fehler wieder gutzumachen, sobald sie uns bewusst geworden sind. Selbstrechtfertigung ist dagegen stets verachtenswert, denn sie will Fehler nicht zugeben, sondern unter den Teppich kehren und der Reue aus dem Weg gehen.

»Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz und gib mir von neuem einen festen Geist in meinem Innern!« (Psalm 51,12) David wollte von Gott mit Ysop gereinigt werden (Vers 9), einem sehr bitteren Kraut. Als die Israeliten das Passahlamm aßen, gab es dazu auch bittere Kräuter (2. Mose 12,8), ein Symbol für die Reue, die alle brauchen, die sich von Jesus, unserem wahren Passahlamm, ernähren.

Als Johannes der Täufer zu predigen begann, waren seine ersten Worte: »Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.« (Matthäus 3,2) Als Jesus zu predigen begann, benutzte er dieselben Worte (Matthäus 4,17). Als das Volk zu Pfingsten fragte, was es tun solle, antwortete Petrus: »Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen.« (Apostelgeschichte 2,37)

Glauben ohne Reue?

Diese Verkündigung wird so lange nicht aufhören, wie Gott treue Prediger in seinem Werk hat. Wer den Glauben ohne Reue predigt, predigt nicht das Evangelium Christi. Er ermutigt die Menschen zu glauben, dass ihnen schon vergeben ist und dass sie nur zu glauben und sich zu freuen brauchen.

Dann hätte Gott ja die Sünden schon vergeben, bevor sie überhaupt begangen wurden und auch die, die wir in der Zukunft noch tun werden. Dann bräuchte der Sünder sich keine Sorgen mehr zu machen. Er könnte sich damit trösten, dass die Sünde ja schon vergeben ist und dass Reue, Sündenbekenntnis oder Wiedergutmachung unnütz und dem Evangelium fremd sind.

Doch in der Bibel sucht man umsonst nach so einer Lehre. Der Glaube ohne Werke ist tot, sagt Jakobus in Kapitel 2,14-26. Das erste gute Werk ist die Reue. Wird der Glaube ausgeübt, ohne dass Reue erwähnt wird, so gehört sie doch untrennbar zu ihm, und wird Reue geübt, ohne dass der Glaube erwähnt wird, ist doch der Glaube in gleicher Weise beteiligt. Reue und Glaube sind ein Paar, bei dem der Glaube der Reue nicht vorausgeht, sondern ihr folgt (Apostelgeschichte 20,20.21).

Der Glaube, der durch die Liebe wirkt, lässt sich mit einem Baum vergleichen, der gute Werke im Leben des Christen hervorbringt. Aber der Boden, in dem der Baum wächst, ist die Reue, die Gottes Geist im Herzen wirkt. Über Jesu erstes Kommen heißt es: »Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht.« (Jesaja 53,2) In Wirklichkeit war Jesu Charakter die Vollkommenheit selbst. Die Menschen konnten aber keine Schönheit an ihm entdecken, weil sie blind waren.

So wie es bei Jesus war, ist es auch heute mit der Reue. Der Stolz unserer Herzen lässt uns diese Tugend par excellence verachten. Dabei gibt es keine Tugend, die im Leben eines Christen liebenswerter ist. Unsere stolzen Herzen lehnen sich schon beim Gedanken an Reue auf, denn sie befiehlt, dass wir uns vor Gott demütigen. Unsere sündige Natur sträubt sich gegen die Reue, denn sie befiehlt, unsere Sünde aufzugeben. Satan redet uns ein, die Reue mache uns verachtenswert und raube uns jegliche Freude, falls wir uns Gottes Geist unterstellen und ihn in unseren Herzen jene »gottgewollte Betrübnis« wirken lassen.

Keine größere Freude

Nun aber bezeugen alle, die sich Gott geweiht haben, dass es keine größere Freude gibt, als Sündenvergebung zu empfangen, Sündenvergebung als Resultat des Kummers über die Sünde und der Traurigkeit, die das Herz bluten lässt und den Frieden bringt, der alle Vernunft übersteigt. Es gibt keine größere Freude, als die durch den Heiligen Geist gewirkte. Unser Problem ist unser hartes Herz. Gott würde unsere Herzen weich machen durch seinen guten Geist, wenn wir nicht so wenig Verlangen nach Reue hätten. Wir suchen die Sünde, als wäre sie das Allerbeste für uns. Doch die Sünde ist ein schrecklicher Lügner. Sie bringt nur Verderben und Tod (Hebräer 3,13; Römer 6,21-23).

Legen wir unsere Sünden durch wahre Reue ab! Wir können unsere Kleider im Blut Jesu waschen, doch nur durch Reue und Glauben. Wir haben viel Zeit verloren und wissen nicht, ob uns noch ein weiterer Tag zum Leben bleibt. Nachdem wir so lange Gottes Geist mit unserer Selbstsucht betrübt haben, wollen wir uns Gott rückhaltlos weihen! Gott wartet darauf, dass wir bereuen, damit er uns begnadigen kann. Jesu Blut kann uns von aller Sünde reinigen. Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht. ′

JOHN ANDREWS (1829–1883) war der erste Missionar der Siebenten-Tags-Adventisten, dritter Generalkonferenzpräsident und Redakteur der Zeitschriften Review and Herald in den USA und Signes des Temps in Französisch, nachdem er 1874 nach Basel gezogen war. Dort widmete er sich bis zu seinem Tode im Alter von 54 Jahren der Gründung und Festigung des Werkes in Westeuropa.

Gekürzt aus: Signes des Temps, Juni 1882


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