• Vom umworbenen zum werbenden Gott: Gott singt ein Liebeslied

    Gott singt ein Liebeslied

    Adobe Stock - Teodor Lazarev

    Hast du dich auch schon mal nach einer ganz persönlichen Botschaft von Gott gesehnt? Von Kai Mester

Dienstag, 26 Oktober 2021 – 09:22 Uhr

Atheisten glauben auch: Macht Glauben Sinn?

Macht Glauben Sinn?

Bild von Tumisu auf Pixabay

»Ich glaube nur, was ich sehe und verstehe«, sagen manche … Von Ellet Waggoner (1855–1916)

Lesezeit: 7 Minuten

Der Christ glaubt an das Unsichtbare. Das lässt den Ungläubigen staunen und über ihn lachen, ja ihn verachten. Der Atheist betrachtet den einfachen Glauben des Christen als Zeichen von Geistesschwäche. Mit selbstgefälligem Lächeln hält er seinen eigenen Intellekt für überlegen, denn er glaubt nie etwas ohne Beweise; er zieht nie voreilige Schlüsse und glaubt nichts, was er nicht sehen und verstehen kann.

Das Sprichwort, dass der Mann, der nur glaubt, was er verstehen kann, ein sehr kurzes Glaubensbekenntnis hat, ist ebenso wahr wie banal. Es gibt keinen lebenden Philosophen (oder Wissenschaftler), der auch nur ein Hundertstel der einfachen Phänomene völlig versteht, die er täglich sieht … In der Tat gibt es unter all den Phänomenen, über die Philosophen so gelehrt nachdenken, kein einziges, dessen letzte Ursache sie erklären können.

Der Glaube ist etwas sehr Normales. Jeder Atheist glaubt; und in vielen Fällen ist er sogar leichtgläubig. Der Glaube ist Teil aller geschäftlichen Transaktionen und aller Angelegenheiten des Lebens. Zwei Menschen verabreden sich, um zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort ein bestimmtes Geschäft zu tätigen; jeder vertraut dem Wort des anderen. Der Kaufmann vertraut seinen Angestellten und seinen Kunden. Mehr noch, er vertraut, vielleicht unbewusst, auch Gott; denn er schickt seine Schiffe über den Ozean im Vertrauen darauf, dass sie mit Waren beladen zurückkehren. Dabei weiß er, dass ihre sichere Rückkehr von Wind und Wellen abhängt, also außerhalb menschlicher Kontrolle liegt. Obwohl er nicht ein einziges Mal an die Macht denkt, die die Elemente kontrolliert, vertraut er auf die Kapitäne und Matrosen. Er begibt sich sogar selbst an Bord eines Schiffes, dessen Kapitän und Mannschaft er nie gesehen hat, und erwartet zuversichtlich, dass er sicher in den gewünschten Hafen gebracht wird.

Ein Atheist hält es für töricht, auf einen Gott zu vertrauen, »den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann« (1. Timotheus 6,16), geht zu einem kleinen Fenster, legt zwanzig Dollar hinein und erhält dafür von einer Person, die er noch nie gesehen hat und deren Namen er nicht kennt, einen kleinen Streifen Papier, auf dem steht, dass er in eine ferne Stadt fahren darf. Diese Stadt hat er vielleicht noch nie gesehen, weiß von ihrer Existenz nur aus den Berichten anderer; dennoch steigt er in den Wagen, gibt seinen Zettel einem anderen völlig Fremden und macht es sich auf einem Sitz bequem. Er hat den Lokführer nie gesehen und weiß nicht, ob er vielleicht unfähig ist oder böse Absichten hat; jedenfalls ist er völlig unbesorgt und erwartet zuversichtlich, sicher an seinem Ziel anzukommen, von dessen Existenz er nur vom Hörensagen weiß. Mehr noch, er hält ein Stück Papier in der Hand, das von Leuten ausgestellt wurde, die er nie gesehen hat, worauf steht, dass diese Fremden, deren Obhut er sich anvertraut hat, ihn zu einer bestimmten Stunde an seinem Bestimmungsort absetzen werden. So sehr glaubt der Atheist dieser Aussage, dass er eine Person, die er nie gesehen hat, benachrichtigt, sie solle sich darauf vorbereiten, ihn zu einer bestimmten Zeit zu treffen.

Sein Glaube kommt auch bei der Übermittlung der Nachricht ins Spiel, die sein Kommen ankündigt. Er geht in einen kleinen Raum, schreibt ein paar Worte auf einen Zettel, gibt ihm einem Fremden an einem kleinen Apparat und zahlt ihm einen halben Dollar. Dann geht er im Glauben davon, dass sein unbekannter Freund, der tausend Meilen entfernt ist, in weniger als einer halben Stunde die Nachricht lesen wird, die er soeben auf dem Bahnhof hinterlassen hat.

Als er die Stadt erreicht, wird sein Glaube noch deutlicher. Während der Fahrt hat er einen Brief an seine Familie geschrieben, die zu Hause geblieben ist. Sobald er die Stadt erreicht hat, sieht er einen kleinen Kasten an einem Straßenpfosten. Sofort geht er hin, wirft seinen Brief hinein und kümmert sich nicht weiter darum. Er glaubt, dass der Brief, den er in den Kasten geworfen hat, ohne Unterredung mit irgendeiner Person, innerhalb von zwei Tagen bei seiner Frau eintreffen wird. Trotzdem denkt dieser Mann, dass es äußerst töricht ist, mit Gott zu reden und zu glauben, dass ein Gebet erhört wird.

Der Atheist wird darauf erwidern, er vertraue anderen ja nicht blindlings, sondern habe Gründe für seinen Glauben, dass er, seine Telenachricht und sein Brief sicher befördert werden. Sein Glaube an diese Dinge beruhe auf folgenden Gründen:

  1. Andere seien auch schon sicher befördert worden, und Tausende von Briefen und Telegramme seien schon korrekt abgeschickt und rechtzeitig zugestellt worden. Wenn ein Brief verlegt werde, liege es fast immer am Absender.

  2. Die Personen, denen er sich und seine Botschaften anvertraue, machten ihren Beruf; wenn sie ihre Aufgaben nicht erfüllten, würde ihnen niemand vertrauen, und ihr Geschäft wäre bald ruiniert.

  3. Auch habe er die Zusicherung der Regierung der Vereinigten Staaten. Die Eisenbahn- und Telegrafengesellschaften erhalten ihren Auftrag von der Regierung, die damit für ihre Zuverlässigkeit bürgt. Wenn sie sich nicht an die Verträge halten, kann die Regierung ihnen die Konzession entziehen. Sein Vertrauen auf den Briefkasten beruhe darauf, dass darauf die Buchstaben U.S.M. stünden. Er wisse, was sie bedeuten: Die Garantie der Regierung, dass jeder in den Kasten geworfene Brief sicher zugestellt werde, wenn er ordnungsgemäß adressiert und frankiert sei. Er glaube, die Regierung halte ihre Versprechen; denn sonst würde sie bald abgewählt werden. Es liege also im Interesse der Regierung, ihre Versprechen zu erfüllen, ebenso wie es im Interesse der Eisenbahn- und Telegrafengesellschaften liege. Alles zusammen bilde eine solide Grundlage für seinen Glauben.

Nun, der Christ hat tausendfachen Grund für seinen Glauben an Gottes Verheißungen. Glaube ist nicht blinde Leichtgläubigkeit. Der Apostel sagt: »Der Glaube aber ist die Grundlegung dessen, was man erhofft, der Beweis für Dinge, die man nicht sieht.« (Hebräer 11,1 ZB) Dies ist eine inspirierte Definition. Daraus lässt sich schließen, dass der HERR von uns keinen Glauben ohne Beweise erwartet. Nun lässt sich leicht zeigen, dass der Christ viel mehr Grund hat, an Gott zu glauben als der Atheist der Eisenbahn- und Telegrafengesellschaften oder der Regierung.

  1. Schon andere haben Gottes Verheißungen vertraut und sie als vertrauenswürdig eingestuft. Das elfte Kapitel des Hebräerbriefs enthält eine lange Liste derer, die Gottes Verheißungen bestätigt haben: »Diese haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft, des Feuers Kraft gelöscht, sind der Schärfe des Schwerts entronnen, aus der Schwachheit zu Kräften gekommen, sind stark geworden im Kampf und haben fremde Heere in die Flucht geschlagen. Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen« (Hebräer 11,33-35), und das nicht allein in alten Zeiten. Jeder, der will, kann eine Fülle von Zeugen dafür finden, dass Gott »ein bewährter Helfer in Zeiten der Not« ist (Psalm 46,2 HFA). Tausende können von Gebetserhörungen berichten, die so eindeutig sind, dass kein Zweifel mehr daran besteht: Gott erhört Gebet mindestens genauso zuverlässig, wie die Regierung der Vereinigten Staaten die ihr anvertraute Post versendet.

  2. Der Gott, dem wir vertrauen, macht es sich zur Aufgabe, Gebete zu erhören und seine Untertanen zu schützen und zu versorgen. »Die Gnade des HERRN nimmt kein Ende! Sein Erbarmen hört nie auf.« (Klagelieder 3,22) »Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.« (Jeremia 29,11). Hätte er seine Versprechen gebrochen, würden die Menschen aufhören, ihm zu glauben. Deshalb vertraute David ihm. Er sagte: »Hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen! Errette uns und vergib uns unsre Sünden um deines Namens willen! Warum lässt du die Heiden sagen: Wo ist nun ihr Gott?« (Psalm 79,9.10)

  3. Gottes Regierung hängt von der Erfüllung seiner Verheißungen ab. Der Christ hat die Zusicherung der kosmischen Regierung, dass jede rechtmäßige Bitte, die er äußert, erfüllt wird. Diese Regierung ist vor allem zum Schutz der Schwachen da. Angenommen, Gott würde eines seiner Versprechen gegenüber der schwächsten und unbedeutendsten Person auf der Welt nicht einhalten; so würde dieses einzige Versäumnis Gottes gesamte Regierung stürzen. Das ganze Universum würde sofort ins Chaos gleiten. Wenn Gott eines seiner Versprechen brechen würde, könnte niemand im Universum ihm je Vertrauen, seine Herrschaft wäre zu Ende; denn Vertrauen in die herrschende Macht ist die einzig sichere Basis für Treue und Hingabe. Die Nihilisten in Russland folgten den Erlassen des Zaren nicht, weil sie ihm nicht vertrauen. Jede Regierung, die durch Nichterfüllung ihres Auftrags die Achtung ihrer Bürger verliert, gerät in einen instabilen Zustand. Deshalb verlässt sich der demütige Christ auf Gottes Wort. Er weiß, dass für Gott mehr auf dem Spiel steht als für ihn. Wäre es möglich, dass Gott sein Wort bricht, würde der Christ nur sein Leben verlieren, aber Gott seinen Charakter, die Stabilität seiner Regierung und die Kontrolle über das Universum.

Außerdem ist bei denen, die menschlichen Regierungen oder Institutionen vertrauen, Enttäuschung vorprogrammiert.

Fortsetzung folgt

Aus: »The Full Assurance of Salvation« in The Bible Student's Library, 64, Juni 16, 1890


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