Montag, 04 Mai 2020 – 11:01 Uhr

Liebe, Geduld, Vergebung: Wie kommt man ans Erkennungsmerkmal für Jesusjünger?

Wie kommt man ans Erkennungsmerkmal für Jesusjünger?

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Eigentlich wäre es ganz leicht, wenn es nicht für die meisten so ungewohnt wäre. Von Ellen White

Jesus ist attraktiv. Kann man das daran sehen, wie wir ihm nachfolgen? Scheinen die weichen Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit in unsere Herzen? Sind wir angenehme und fröhliche Zeitgenossen mit segensreichem Einfluss auf alle um uns her? …

Blick nach oben richten

Wie viel vom lieben Frieden verlieren wir, weil wir uns ständig mit dem Unangenehmen in uns und in unseren Glaubensgeschwistern [und Mitmenschen] beschäftigen! Einfach den Blick vom Unangenehmen weg auf Jesus richten. Ihn mehr lieben, mehr von seiner anziehenden Schönheit und seiner Charakteranmut in uns aufnehmen, über die Fehler und Irrtümer anderer nicht länger nachdenken! Schließlich sind auch unsere eigenen Wege nicht fehlerfrei. Immer wieder machen wir Fehler. Würden andere jedes Wort und jede Tat von uns genauso unter die Lupe nehmen wie wir sie, könnten sie über uns einen genauso dunklen Katalog vorlegen wie wir über sie. Niemand außer Jesus ist vollkommen. Denken wir an ihn, lassen wir uns von ihm verzaubern, sodass wir nicht mehr an uns und an die ganzen Unannehmlichkeiten denken. Denn das Anschauen unserer Fehler schwächt unseren Glauben. Gott und seine Verheißungen hingegen geraten aus dem Blick. Wir brauchen mehr von Jesus und weniger von uns selbst.

Geduld mit uns, Geduld mit anderen

Denken und reden wir von niemandem Böses! Zügeln wir unsere Worte! Wir können die Erfahrungen anderer nicht an unserer eigenen messen. Es wäre traurig, wenn alle gleich gestrickt wären. Verlässt der HERR uns, wenn wir uns in manchen Punkten irren? Vergisst er uns und überlässt uns unseren eigenen Wegen? Nein, der HERR behandelt uns nicht so wie wir einander. Der HERR helfe uns zu bereuen und zu bekennen! Lassen wir unsere Herzen von Jesu Liebe durchdringen? Schon bei der kleinsten Provokation entsteht Eifersucht. Wie schnell wachsen und gedeihen Neid und Argwohn, wenn sie gepflegt werden. Schrecklich viele Menschen verletzen Jesus, weil sie ihren eigenen Weg und Willen wollen. Wenn wir schon streiten, dann doch lieber gegen diese wenig beneidenswerten Charakterzüge, statt gegeneinander …

Vielleicht sucht Gott sich Menschen als Mitarbeiter aus, die uns nicht genehm sind, weil sie nicht genau unseren Vorstellungen entsprechen. Sie fahren nicht genau den Kurs, den wir für geboten halten. Statt diese Menschen Gott zu überlassen, damit sein Geist mit ihnen arbeiten kann, machen viele ihnen Schwierigkeiten, versperren ihnen den Weg und hegen ungute Gefühle, weil sie ein Werk tun, das noch niemand getan hat. Dann wird ihr Charakter zerpflückt, werden die sensationellsten Klagen sowie Kritik und Verleumdung zusammengetragen, aus Mücken werden Elefanten gemacht.

Das hat man in der Gemeinde betrieben, bis wir unsere ganze Schlagkraft verloren haben. Solange diese Praxis nicht aufhört, werden wir unsere Schlagkraft auch nicht wiedergewinnen. Lassen wir uns vom HERRN zeigen, was wir tun können, damit wir erfüllt werden mit Lob und Dank an ihn für das wertvolle Geschenk seines Sohnes. Dann werden Neid, Eifersucht und Rivalitäten verschwinden und wahre Liebe und Einheit regieren.

Unterschiedlichkeit bei Bibelauslegungen

Jesus betete, dass seine Jünger wie er und sein Vater eins seien. Worin besteht diese Einheit? Nicht in derselben Veranlagung, demselben Temperament oder genau denselben gedanklichen Bahnen. Wir sind nicht alle gleich intelligent. Wir haben nicht alle dieselbe Erfahrung. In einer Gemeinde gibt es verschiedene Gaben. Wir haben unterschiedliche Hintergründe. Wenn es um weltliche Angelegenheiten geht, gibt es vielfältige Möglichkeiten, diese zu regeln. Dennoch müssen diese unterschiedlichen Herangehensweisen, dieser Einsatz von Gaben, weder zu Streit, Zwietracht noch Uneinigkeit führen.

Der eine mag mit der Heiligen Schrift vertraut sein und schätzt einen bestimmten Teil besonders; einem anderen ist ein anderer Teil sehr wichtig. So bringt der eine den einen und der andere den anderen Punkt. Beide können von höchstem Wert sein. All dies ist in Gottes Plan. Darf aber ein Auslegungsfehler in einem bestimmten Bereich der Schrift zu Streit und Uneinigkeit führen? Gott bewahre! Wir können daher nicht die Position vertreten, dass die Einheit in der Gemeinde darin besteht, dass wir jeden Bibelvers in demselben Licht sehen. Die Gemeinde kann noch so viele Beschlüsse fassen, um allen Meinungsverschiedenheiten ein Ende zu setzen. Geist und Wille lassen sich nicht zwingen, Meinungsverschiedenheiten sich so nicht ausmerzen. Diese Beschlüsse können zwar die Uneinigkeit kaschieren, aber für völlige Einheit können sie niemals sorgen. Nur der Geist der christlichen Nachsicht kann völlige Einheit bringen. Satan sät Zwietracht, Jesus allein bringt uneinige Elemente zusammen. Wenn jeder sich in der Schule des Messias vom Meister selbst unterrichten lässt, der von sich sagt, dass er sanftmütig und von Herzen demütig ist, dann hören die Sorgen auf und wir finden Ruhe für unsere Seelen.

Wie eine große Familie

Die großen Lehren in Gottes Wort sind so deutlich formuliert, dass keiner sie missverstehen muss. Wenn die einzelnen Gemeindeglieder Gott mehr als alles andere lieben und ihren Nächsten wie sich selbst, dann bedarf es keiner angestrengten Bemühungen um Einheit. Einigkeit im Messias wird vielmehr eine ganz natürliche Folge sein. Die Ohren jucken nicht länger nach Berichten, die dem Nächsten schaden, und niemand wird seinem Nachbarn Vorwürfe machen. Die Gemeindeglieder werden Liebe und Einheit pflegen und wie eine große Familie sein. Dann werden wir für die Welt glaubwürdig bezeugen, dass Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat. Jesus sagte: »Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.« (Johannes 13,35) Jesu Göttlichkeit wird sich in der Einigkeit unter Gottes Kindern zeigen …

Wer Jesus glaubt und beim größten Lehrer, den die Welt je gesehen hat, zur Schule geht, der wird die gewaltige Wirkung seiner Gnade an Verstand und Herzen erfahren. Seine Lehren werden dem geistigen Auge Klarheit schenken; die Sehnsucht der Seele wird gestillt. Das Herz wird sanft und zahm und von glühender Liebe erfüllt, die weder Entmutigung, Verzweiflung, Bedrängnis noch Anfechtung auslöschen können …

Liebt einander, vergebt einander, so wie Gott euch um Jesu willen vergeben hat.

Auszüge aus Manuskript 24, 1892 in: The Ellen G. White 1888 Materials, 1088-1095. Grundlage dafür war Brief 29, 1889 an Geschwister Buckner, vgl. Manuscript Releases 15, 144-153


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