Mittwoch, 29 Juli 2020 – 06:52 Uhr

Was viele sich fragen: Ist Gott wirklich sympathisch?

Ist Gott wirklich sympathisch?

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Wie steht es mit dem Leid auf dieser Welt? Von Kai Mester

Ja, warum lässt Gott so viel Leid und Versuchung zu? Ich habe über das Hauptargument nachgedacht, das mich von meinen Zweifeln an seiner Güte befreit hat.

Wenn er uns leiden lässt, während er sich in einem Himmel der Glückseligkeit befindet, dann würde er irgendwie auf unsere Kosten leben. Das würde auch mich an seinem Charakter und seinem Mitgefühl zweifeln lassen. Aber dass er in Wirklichkeit mehr und länger leidet als jeder Mensch, weil er mit der Menschheit leidet und die ganze Last selbst auf sich nimmt, spricht Bände gegen die Theorie, dass er ein grausamer Gott ist.

»Nur wenige denken an das Leid, das die Sünde unserem Schöpfer zugefügt hat. Der ganze Himmel hat mit Jesu Todesqualen mitgelitten; aber dieses Leiden hat nicht erst mit seiner Offenbarwerdung im Fleisch begonnen oder geendet. Das Kreuz offenbart unseren stumpfen Sinnen den Schmerz, den die Sünde schon von Anfang an Gottes Herzen zufügt.« (Ellen White in Education, 263.1)

Natürlich ist es höchst erstaunlich, dass ein allmächtiger Gott ein solches Maß an Leiden zulässt. Dazu gehört auch das Leiden, das entsteht, wenn man der Versuchung nachgibt und falsche Entscheidungen trifft. Aber dass er an diesem Leiden teilhat und sogar weit mehr leidet, als wir es ertragen können, gibt mir zu denken.

Das ist der einzige Grund, warum ich begonnen habe, ihm zu vertrauen.

Er nutzt seine Macht nicht, um uns auszunutzen und sich selbst zu bereichern. Im Gegenteil, er neigt sich herab, um uns aus dem tiefsten Schlamm herauszuholen.

Er lässt sich von uns »töten«, soweit es möglich ist, den allmächtigen unsterblichen Gott zu »töten«. Er lässt also zu, dass wir ihn mit unseren Sünden quälen, wie er auch zuließ, dass wir seinen Messias, seinen Repräsentanten ans Kreuz nagelten.

Er lässt sogar zu, dass sein Erzfeind mit seiner Agenda zur vollen Entfaltung seines bösen Charakters kommt. Denn er weiß, der Mensch würde ihm sonst nie ganz vertrauen. Wir würden immer an seinen Absichten zweifeln. Denn warum sollte ER als der Allmächtige sich nicht alles so hindrehen, wie er es gern haben möchte? So denkt der Mensch. Aber Gott überrascht uns.

Auch wenn wir nicht die vollständige Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Bösen finden und auf die Frage, wie viel Verantwortung Gott dafür trägt, dass er einen Geist geschaffen hat, der frei ist, zu sündigen und zu töten, sehen wir doch Gottes Sohn – das kostbarste und ewige Geschenk für die Menschheit. Er wird seinen menschlichen Körper nie mehr ablegen! Er holt uns dort ab, wo wir sind, und begleitet uns Schritt für Schritt zurück ins Paradies. Er gibt uns die Garantie, dass wir dort auch ankommen. Gleichzeitig ist alles völlig freiwillig.

Vielleicht noch ein Gedanke: Man könnte sich fragen: Wie kann das sein, dass Gott jetzt leidet?

Wenn er wirklich mehr liebt, als ein Mensch lieben kann, und wenn er wirklich jeden Menschen so liebt, wie er Jesus liebt, mehr als eine Mutter ihr eigenes Kind – dann denk daran, dass jede Minute Menschen ermordet und vergewaltigt werden oder sich selbst das Leben nehmen. Jede Minute ... lass diesen Gedanken mal auf dich wirken.

Was Gott also jeden Moment leiden muss! Das übersteigt jegliche Vorstellung, die wir von Golgatha haben!

Wenn man dann noch bedenkt, dass Gott weiß, dass jedes zornige Wort, jeder Kontrollverlust schließlich zu Mord und Vergewaltigung führt, sobald man den Dingen ihren Lauf lässt; dann sieht man, dass Gott sogar noch mehr leidet. Denn er sieht schon voraus, wo es hinführt.

Dann will man plötzlich von der Sünde loskommen. Dann will man seine Augen vor Gewaltverherrlichung und Unmoral verschließen. Man leidet mit Gott mit. Man wendet sich von Verhaltensweisen ab, die Menschen Angst einjagen, sie traurig oder wütend machen. Aber eben nicht vom Kopf her, weil man weiß, dass es falsch ist.

Man möchte vielmehr alles tun, was man kann, um Gottes Leiden zu lindern, selbst wenn das für ihn nur eine winzig kleine Linderung bedeutet. Nicht weil man Mitleid mit ihm hat, sondern weil man weiß, dass er das alles nur zulässt, weil er uns liebt und möchte, dass wir mit ihm ewig leben.

Maria Magdalena hatte diesen Geist. Deshalb sagt die Bibel, dass überall dort, wo das Evangelium gepredigt wird, ihre Geschichte erzählt wird. Sie hat Jesus gesalbt, um seine Leiden zu lindern. Diese Tat gab ihm Kraft, Gethsemane und Golgatha besser zu ertragen.

Denn das schrecklichste Leid für ihn war, dass er sonst den Eindruck gehabt haben musste, sein ganzes Wirken sei umsonst gewesen.

Das schrecklichste Leid für ihn war ja: Die Jünger hatten ihn vor Angst im Stich gelassen. Sie schienen immer noch nichts von seiner wirklichen Mission verstanden zu haben.

Denk mal darüber nach! Vielleicht steckt in diesen Gedanken ein Funke, der dein Herz in Brand setzt. Wenn es einmal Feuer gefangen hat – Geistesfeuer –, wird es nicht mehr so leicht zu löschen sein.


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