• Vom Sinai nach Morija: Die Wanderung der Altäre

    Die Wanderung der Altäre

    Adobe Stock - rudi1976

    Wie Gott sein Volk geduldig Schritt für Schritt an sein Herz zog. Von Kai Mester

Mittwoch, 24 Juli 2019 – 06:32 Uhr

Vom Sinai nach Morija: Die Wanderung der Altäre

Die Wanderung der Altäre

Adobe Stock - rudi1976

Wie Gott sein Volk geduldig Schritt für Schritt an sein Herz zog. Von Kai Mester

Es war Hungersnot im Nahen Osten. Doch Josef war zum zweiten Mann in Ägypten aufgestiegen und hatte vorgesorgt. Er holte seinen Vater Israel (Jakob), seine Brüder und ihre Familien nach Ägypten. Damals um das Jahr 1660 v. Chr. waren sie siebzig Mann gewesen (1. Mose 46,27).

Mehr als 200 Jahre später etwa um 1450 v. Chr. führte Mose, ein Ururenkel Israels, das ganze Volk wieder aus Ägypten hinaus. Inzwischen waren es über 600.000 Mann, eine ganze Armee (2. Mose 12,37; 4. Mose 1,45). Darunter befanden sich viele, die eingeheiratet oder sich einfach nur so den Israeliten angeschlossen hatten.

Das Heiligtum als Bildungsstätte

Das Wissen um den Altar und seine Botschaft war in diesem großen Volk fast gänzlich verloren gegangen. Deshalb wurde ein Bildungssystem eingeführt, ein täglicher Anschauungsunterricht. Die Bildungsstätte war ein Zeltheiligtum, das unter der Leitung von zwei außerordentlich begabten Künstlern gebaut wurde, Bezalel und Oholiab. (»B-tzal-El« bedeutet »im Schatten Gottes« und »Oholi-Av« »Vater ist mein Zelt«.) Sie verwendeten erlesenste Baumaterialien, darunter Gold und Silber, Purpur und Karmesin, Widder und Seekuhfelle sowie Akazienholz (2. Mose 35,5 ff., 30 ff.).

In diesem Heiligtum gab es zwei Altäre, einen bronzierten Brandopferaltar und einen vergoldeten Räucheraltar (37,25 ff.; 38,1 ff.). Das Heiligtum selbst und die Geräte waren transportabel und begleiteten die Israeliten auf ihrer Wüstenwanderung vom Berg Sinai bis zum Jordanfluss. So reisten die Altäre wieder nach Norden.

Was wurde in diesem Heiligtum gelehrt? Was bedeuteten seine Geräte und Zeremonien? Am Sinai erhielt das Volk Israel seinen Jahreskalender mit Festen, die von den Juden bis heute gefeiert werden. Am Sinai wurde auch ein Gesetzeskodex verfasst, der zur Grundlage des damaligen Nationalstaats Israel wurde. Sowohl die Feste als auch das Gesetz waren im Heiligtumsdienst verankert. Gemeinsam mit den täglichen Opfern, Reinigungsriten und dem Priesterdienst vermittelten sie die Botschaft von Morija auf vielfältige und tiefgründige Weise: Der Weg zu einem erfüllten Leben hier und über den Tod hinaus führt über den Altar. Was bedeutet das? Wir wollen dieser Frage auf den Grund gehen.

Vom Jordan in die Berge

Unter Moses Nachfolger Josua überquerte das Heiligtum, die so genannte Stiftshütte, den Jordan, stand eine Zeit lang ganz in Flussnähe in Gilgal und fand schließlich eine Heimat in Silo (oder Schilo) (Josua 18,1).

Die Nord-Süd-Route

Silo lag zwischen Sichem und Bethel. Damit schließt sich der zweite Kreis, den die Altäre gedreht haben. Zuerst waren sie aus dem hohen Norden des Araratgebirges von Sichem über Morija bis hinunter nach Beerscheba gekommen. Dann hatte Jakob nach seinen Jahren in der Fremde Syriens ihre Tradition erneut in Sichem belebt und war die alte Nord-Süd-Route über Morija hinab bis nach Ägypten gezogen. Nun endlich kamen die Altäre durch Josua über Gilgal am Jordan (Josua 5,10) ebenfalls nördlich von Morija auf diese Route.

Die Bundeslade auf Odyssee

Das Herzstück des Zeltheiligtums waren jedoch nicht die beiden Altäre, sondern der Ort, wo sich Gottes Gegenwart offenbarte. Der Brandopferaltar stand im Vorhof, der Räucheraltar im ersten Raum des Heiligtums, dem so genannten Heiligen. Gottes Gegenwart offenbarte sich jedoch im zweiten Raum, dem Allerheiligsten über einem vergoldeten transportablen Schrein. In ihm lagen die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Dieser Schrein hieß Bundeslade. Der Deckel der Lade, Gnadenthron genannt, war aus purem Gold mit zwei aus ihm gearbeiteten aufrecht stehenden Engelsgestalten an beiden Seiten (2. Mose 37,1 ff.).

Dieser wertvolle Schrein wäre einmal fast verloren gegangen, als zwei untreue Priester ihn als Talisman in den Krieg gegen die Philister mitnahmen. Israels Feinde eroberten ihn, schickten ihn aber aus Angst vor Katastrophen schließlich auf einem Viehgespann wieder fort (1. Samuel 4-6). Viele Jahre lang blieb die Bundeslade dann im Haus Abinadabs in Kirjat-Jearim alleine, etwa 10 km westlich von Morija. Die Stiftshütte wanderte indes weiter nach Süden von Silo nach Nob, nur etwa 2 bis 3 km östlich von Morija (1. Samuel 21). So nahe waren die Altäre und die Bundeslade noch nie gleichzeitig dem Berg Morija gewesen.

Der erste König Israels, Saul, tötete aus Eifersucht auf seinen Thronfolger David alle Einwohner der Stadt Nob. Dort stand das Zeltheiligtum. David war vom Propheten Samuel zum König gesalbt worden, und der Hohe Priester in Nob hatte ihm auf der Flucht vor Saul geholfen. Dies nun war der Racheakt seiner königlichen Majestät. Danach rückte das Zeltheiligtum wieder ein Stück weiter weg von Morija nach Gibeon. Distanz: 10 km (1. Chronik 16,39; 2. Chronik 1,3.6).

Die Heimholung der Bundeslade

Als König David an die Macht kam, holte er die Bundeslade aus Kirjat-Jearim in ein Zelt nach Jerusalem (1. Chronik 13,5; 16,1), der neuen Hauptstadt Israels. War nun die Odyssee der Bundeslade zu Ende? Das Zelt, in dem sie jetzt stand, war jedenfalls nicht die Stiftshütte. Zwar hatte David sich bei der Heimholung der Bundeslade schließlich wieder auf die Opfer besonnen, aber die beiden Altäre standen noch in Gibeon (2. Samuel 6,13; 1. Chronik 15,26; 16,1.39.40).

Der Tempelberg

Davids Sohn Salomo war derjenige, der die Bundeslade wieder mit den Altären zusammenführte (2. Chronik 3,1). Das Spannende daran ist der Ort, den er in Jerusalem wählte:

Der bis heute bekannte Tempelberg liegt genau dort, wo Abraham und sein Sohn opferten – es ist der Berg Morija. »Und Salomo fing an, das Haus des HERRN zu bauen in Jerusalem, auf dem Berg Morija, wo der HERR seinem Vater David erschienen war, an dem Ort, den David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans, des Jebusiters … und es kamen alle Ältesten von Israel; und die Leviten … brachten die Lade hinauf, samt der Stiftshütte und alle heiligen Geräte … und sie brachten die Bundeslade … in das Allerheiligste.« (2. Chronik 3,1; 5,4.7

Die Tenne des Arauna

Morija, war der einzige Ort, wo der Engel des HERRN David begegnete. Er sah ihn bei der Tenne des Arauna oder Ornan und bekam vom Propheten Gad die Anweisung dort einen Altar zu bauen (2. Samuel 24,16 ff.; 1. Chronik 21,15 ff.). An diesem Ort baute Salomo später den Tempel.

Lesen Sie weiter! Die ganze Sonderausgabe als PDF!
altaere

Oder als Printausgabe bestellen:
www.mha-mission.org


Mehr auf HOFFNUNG WELTWEIT

Gottes Heilskalender (Teil 1): Die biblischen Frühjahrsfeste
Gottes Heilskalender (Teil 2): Die biblischen Herbstfeste
Der Koran bestätigt die Bibel – Ein Muslim macht Schritte zu Jesus (Teil 1): Auf der Suche
Der Koran bestätigt die Bibel – Ein Muslim macht Schritte zu Jesus (Teil 2): Ich habe ihn gefunden
Die Aussendung der Siebzig: Grenzenlose Evangelisation
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Unsere Datenschutzerklärung