• Was Gottes Wort über Erbarmen mit Tieren sagt: Tierschutz in der Bibel

    Tierschutz in der Bibel

    Adobe Stock - Angel Simon

    Wer Tiere liebt, kann Gott besser verstehen. Von Kai Mester

Freitag, 21 Dezember 2018 – 07:18 Uhr

Was Gottes Wort über Erbarmen mit Tieren sagt: Tierschutz in der Bibel

Tierschutz in der Bibel

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Wer Tiere liebt, kann Gott besser verstehen. Von Kai Mester

»Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse« (Prediger 12,14) – alle Werke, auch das, was wir den Tieren antun, wie die bekannte Geschichte mit Bileam und seiner Eselin zeigt.

Bileam und die Eselin

Es war fast ein kleines Untersuchungsgericht, als der Engel des HERRN den Propheten zur Rede stellte, nachdem dieser die Eselin mehrmals geschlagen hatte und ihm sogar sehr danach war, sie mit einem Schwert zu töten. »Warum hast du deine Eselin nun dreimal geschlagen?«, fragte der Engel und machte ihm deutlich, dass er dadurch fast selbst ums Leben gekommen wäre (4. Mose 22,32-33). Ein Gleichnis? Irgendwie schon. Denn bringt sich die Menschheit nicht durch ihre Grausamkeit gegenüber Tieren fast selbst ins Grab? Die ökologischen und gesundheitlichen Folgen des Fleischkonsums sind jedenfalls besorgniserregend.

Gottes Erbarmen mit den Tieren

Die Bibel hat einen eindeutigen Standpunkt zum richtigen Umgang mit Tieren: »Der Gerechte erbarmt sich über seine Tiere, die Gottlosen aber sind herzlos.«(Sprüche 12,10 LU/NL) Denn das große Vorbild des Gerechten ist Gott selbst, der größte unter den Gerechten: »HERR, du Gott Israels, du bist gerecht.« (Esra 9,15) »Der Gerechte erbarmt sich über seine Tiere.« Als Schöpfer aller Tiere gehören alle Tiere wirklich ihm: »Mir gehören alle Tiere des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen.« (Psalm 50,10) So sagte auch Jesus über seinen Vater: »Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater« (Matthäus 10,29), und der Psalmist bestätigt: »Du, o HERR, rettest Menschen und Tiere.« (Psalm 36,7)

Eine Rettungsarche für Mensch und Tier

Zwei Beispiele dafür, wie Gott Menschen und Tiere rettet, sind die Sintflut und Ninive. Dort werden die Tiere extra erwähnt. »Bring ein Paar von jeder Tierart – ein Männchen und ein Weibchen – in das Schiff, damit sie mit dir die Flut überleben.« (1. Mose 6,19) Leider machte nur die zusätzliche Mitnahme von weiteren sechs Paaren bei reinen Tieren das Überleben des Menschen nach der Flut möglich. Als erster aktenkundiger Besitzer eines Wanderzoos befolgte Noah die Anweisung, »um Nachkommen [der Tiere] am Leben zu erhalten auf der ganzen Erde« (1. Mose 7,3). In Vers 8 und 9 wird dann der Einzug der Tiere in die Arche beschrieben, und wieder von Vers 14 bis 16: »Das ging alles zu Noah in die Arche paarweise, von allem Fleisch, darin Odem des Lebens war.« (Vers 15) Das Ende der Sintflut wird dann damit erklärt, dass Gott an Noah und »an alles wilde Getier und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war« gedachte (1. Mose 8,1) und die Wasser wieder sanken. In Vers 17 gebietet er Noah den Auszug der Tiere aus der Arche und in Vers 19 wird dieser dann beschrieben. Den Bund, den Gott daraufhin mit dieser Welt aufrichtete, schloss er mit den Menschen und »mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren auf Erden bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden.« (1. Mose 9,10) Als Zeichen des Bundes zwischen Gott, Mensch, Tier und Erde dient der Regenbogen. Drei weitere Male erwähnt das Kapitel noch die Tiere (Vers 15,16,17), als könne nicht genug die Schicksalsgemeinschaft zwischen Mensch, Tier und Umwelt einerseits und Gottes Rettungswille andererseits betont werden. Ja, eine Schicksalsgemeinschaft in doppeltem Sinne: So waren ja auch die meisten Tiere mit den grausamen Menschen in der Sintflut untergegangen.

Schicksalsgemeinschaft in Ninive

Schon im Garten Eden hatten Menschen und Tiere in enger Gemeinschaft gelebt. Doch die Sünde riss die Tiere mit ins Verderben: Durch Opferungen und Schlachtungen und sexuellen Missbrauch machte der Mensch sich die Tiere nutzbar. Wer sündigt, lebt auf Kosten anderer! Das machte Gott dem Menschen schon deutlich, als er selbst das erste Tier schlachten ließ, um den Menschen Kleider aus Fellen zu geben. In Sodom kamen die Viehherden Lots und wahrscheinlich viele andere Tiere im Feuer um. Aber in Ninive durften sie überleben. Reue war der Schlüssel dazu. Eine Reue, die sich im Fasten ausdrückte. Ist nicht auch Vegetarismus eine Art Fasten als Reue für das, was wir Menschen den Tieren antun? Ein lohnenswerter Gedanke. Als Ninive jedenfalls Buße tat, gebot der König, dass auch die Tiere fasteten und in Säcke gekleidet wurden. Daher sagte Gott im letzten Vers des Buches Jona: »Und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?« (Jona 4,11)

Warten auf die neue Erde

Nicht nur der Mensch leidet unter Schmerzen, Krankheit und Tod. Nein, »wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir … seufzen … und sehnen uns nach … der Erlösung unseres Leibes.« (Römer 8,22-23) Die Bibel beschreibt das neue Jerusalem als große Arche, die die »Auserwählten« vor dem feurigen Inferno schützen wird, das die Erde reinigen soll (Offenbarung 20,9). Zu diesem Zweck werden sie vorher »von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern« gesammelt (Matthäus 24,31). Wie damals bei der Arche werden alle aufgenommen, die diesen schützenden Ort aufsuchen. Was wäre, wenn wir dann überrascht feststellen sollten, dass wir mit vielen, sogar auferstandenen Tieren zum Neuen Jerusalem gebracht werden? Ich würde mich nicht wundern, möchte es aber auch nicht prophezeien. Fest steht nur, dass die Bibel unter anderem folgende Tiere als Bewohner der von Sünde und Tod gereinigten Erde erwähnt, auf der wir uns nach dem Erlöschen des Feuers niederlassen werden: Löwen, Rind, Pferd, Maultier und Dromedar (Jesaja 65,25; 66,20).

Jesus und die Tiere

Als Jesus, der Gerechte (1. Johannes 2,1), auf diese Welt kam, wurde er zuerst in eine Futterkrippe gelegt. Später sprach er vom Erbarmen, das Menschen über Tiere haben sollen, wenn sie am Sabbat in eine Grube gefallen waren (Matthäus 12,11); für seinen Einzug nach Jerusalem, ließ er eine Eselin mit ihrem Füllen losbinden, um dieses große Ereignis mitzuerleben (Matthäus 21,7), und beim Passahmahl setze er einen Ritus ein, der von da an das Schlachten von Tieren überflüssig machte. Denn er war ja das wahre Opferlamm, das am folgenden Tag auf Golgatha geschlachtet wurde.

Tierrechte in der Torah

Schon in Gottes Gesetz am Sinai wurden Tierrechte niedergelegt: »Wenn du dem Rind oder Esel deines Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zuführen. Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so lass ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf.« (2. Mose 23,4-5) »Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun; aber am siebenten Tage sollst du ruhen, auf dass dein Rind und Esel sich ausruhen.« (2. Mose 23,12) »So etwas [Kastration] sollt ihr in eurem Lande an Tieren nicht tun.« (3. Mose 22,24) »Wenn ein Rind, ein Lamm oder eine Ziege geboren wird, soll das Tier sieben Tage lang bei seiner Mutter gelassen werden.« (3. Mose 22,27 NL) »Wenn du deines Bruders Esel oder Rind unterwegs fallen siehst, so sollst du dich ihrer annehmen und ihnen aufhelfen.« (5. Mose 22,4) »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.« (5. Mose 25,4)

Tieropfer im Alten Testament

Nun stellt sich die Frage, was es dann mit den vielen Tieropfern im Alten Testament auf sich hatte.

Die komplizierten Opfergesetze dienten unter anderem damals dazu, den Fleischkonsum im Volk Israel einzuschränken. Denn nur bei manchen Opfern durfte von dem geschlachteten Tier gegessen werden und dann auch nur bestimmte Teile. Ohne diese Gesetze hätte es mit Sicherheit noch mehr Fleisch gegessen. Aber auch so uferte der Opferdienst aus. Unter Salomo erreichte er den Gipfel, denn er »opferte Schafe und Rinder, so viel, dass man sie wegen ihrer Menge nicht zählen noch berechnen konnte.« (1. Könige 8,4) Später beklagte sich Gott deshalb auch: »Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke.« (Jesaja 1,11) »Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig, und eure Schlachtopfer gefallen mir nicht.« (Jeremia 6,20) »Voller Gier opfern sie und essen das Fleisch. Aber der HERR hat kein Gefallen daran.« (Hosea 8,13) »Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.« (Hosea 6,6)

Die Einsetzung der Opfer nach dem Sündenfall hatte eigentlich zum Ziel, Sünde und Blutvergießen in Grenzen zu halten und auf den Retter von Sünde und Blutvergießen hinzuweisen. Die Opfer sollten die Reue des Sünders über seine begangene Tat noch verstärken, damit er seine Sünde nicht wiederholt.

Sicher wäre es ohne die Opfer alles noch viel schlimmer gekommen. Doch die finsteren Mächte haben die Opfer pervertiert und sich für ihre Zwecke nutzbar gemacht. Deshalb heißt es auch: »Der Gottlosen Opfer ist dem HERRN ein Gräuel; aber das Gebet der Frommen ist ihm wohlgefällig.« (Sprüche 15,8)

Barmherzigkeit neu erleben

Das seltene Opfer half Adam, Noah und Abraham, Gott zu suchen und die Sünde zu hassen. Das tägliche Opfer zweier Tiere für das Millionenvolk Israel verhalf zu demselben Ziel und begrenzte die Zahl der Opfertiere gewaltig. Das einmalige Opfer Jesu auf Golgatha ermöglichte ein Ende der Opferungen. Doch leider hat das Schlachten dadurch nicht aufgehört. Ein Beweis dafür, dass die Opferungen nicht das Problem waren, sondern der Gaumen des Menschen.

Gott kommt es auf das Gebet an. Er sucht die Beziehung zum Menschen, damit er ihn mit seiner Barmherzigkeit erfüllen kann, auch gegenüber den Tieren. Erst recht in einer Zeit, in der man prima ohne Fleischkonsum überleben und regelrecht aufblühen kann.

Wer weiß, wie sehr unschuldige Tiere heute leiden, versteht auch Gottes Schmerz besser und wird noch stärker von der Sehnsucht erfüllt, Leiden in jeder Form auf dieser Welt zu lindern. Das macht Mut, nicht wegzuschauen, sondern mitzuleiden und sich für mehr Menschlichkeit in dieser Welt einzusetzen, auch gegenüber den Tieren. Und es macht vor allem Mut, Barmherzigkeit in unserm engsten Umkreis vorzuleben.


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