• Das Kreuz als religiöses Zeichen: Eine uralte, unbiblische Tradition

    Eine uralte, unbiblische Tradition

    Adobe Stock - Vlada Z (Konstantin mit seiner Mutter Helena. Sie soll die Reliquie des angeblichen Heiligen Kreuzes entdeckt haben.)

    Was das Kreuz mit dem Sonntag gemeinsam hat. Von George Burnside

Montag, 02 März 2020 – 14:16 Uhr

Das Kreuz als religiöses Zeichen: Eine uralte, unbiblische Tradition

Eine uralte, unbiblische Tradition

Adobe Stock - Vlada Z (Konstantin mit seiner Mutter Helena. Sie soll die Reliquie des angeblichen Heiligen Kreuzes entdeckt haben.)

Was das Kreuz mit dem Sonntag gemeinsam hat. Von George Burnside

Der Autor war ein bekannter Prediger und Evangelist der Siebenten-Tags-Adventisten in Australien. Er verstarb im Jahr 1994. Folgender Artikel wurde offensichtlich geschrieben, als es für einen Adventisten allgemein als anstößig galt, Kreuze zu tragen oder aufzuhängen. Hier die Gründe, die man damals hatte. Sie sind es wert, überdacht zu werden.

»Warum haben wir keine Kreuze auf unseren Gemeinden?«, fragte mich jemand. »Warum gibt es kein Kreuz an unseren Anbetungsstätten?« Wir tun gut daran, einige Fakten zu bedenken.

1. Das biblische Zeugnis

Diese Fragen lassen sich am besten mit dem »Gesetz und Zeugnis« beantworten (Jesaja 8,20). Wenn wir in der Bibel nachforschen, stellen wir fest, dass uns weder das Alte noch das Neue Testament von einem Fall berichten, bei dem ein dreidimensionales Kreuz an der Anbetungsstätte aufgestellt wurde oder mit ihr in Verbindung stand.

2. Der Zeitpunkt der Einführung

Zudem entdecken wir, dass es in der Bibel und in der Geschichte keinen Hinweis darauf gibt, dass das Kreuz in den ersten drei Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung als christliches Symbol benutzt wurde. Sogar die römische Kirche bestätigt dies:

»Man kann mit Sicherheit annehmen, dass Konstantin erst nach dem Edikt von Mailand (312 n. Chr.) das Kreuz als beständiges Zeichen für unsere Erlösung benutzte. De Rossi, ein römisch-katholischer Archäologe, sagt ausdrücklich, dass keines der Christusmonogramme, die in den Katakomben oder an anderen Orten entdeckt wurden, auf eine Zeit vor dem Jahr 312 datiert werden kann.« (American Ecclesiastical Review, September 1920)

Es herrscht also allgemeine Übereinstimmung darin, dass es das Kreuz als christliches Symbol erst seit der Zeit Konstantins gibt.

Nach der Catholic Encyclopaedia, Band 4, Seite 298-299, ließ Konstantin ein Monogramm von dem Namen Christus auf dem Labarum anbringen, der Standarte des römischen Kaiserreichs. Als Konstantinopel im Jahre 330 n. Chr. geweiht wurde, erfolgten die Feierlichkeiten halb christlich und halb heidnisch. Der Kriegswagen des Sonnengottes wurde auf den Marktplatz gestellt und über ihm das sogenannte Kreuz Christi angebracht, während man das Kyrie Eleison sang (nach Aussagen von Kardinal Newman ein weiteres Überbleibsel des Heidentums).

»Konstantin war der erste Kaiser, der die große Rechtssammlung der Zivilgesetze für die Sonntagsruhe durchsetzte. Er war der erste, der den Tag des Herrn offiziell durch den Sonntag oder Tag der Sonne ersetzte … Das Leben von Konstantin hatte zwei Seiten – er war halb Christ und halb Heide. Er war bei seinen heidnischen Untertanen ebenso populär wie bei seinen sogenannten christlichen Untertanen … [Er erließ das erste Sonntagsgesetz und] unter seiner Herrschaft wurde das Kreuz erstmalig zum anerkannten Symbol des Christentums gemacht und als gebräuchliches Hinrichtungsmittel abgeschafft.« (Edmund Klut in: These Times, Juni 1956, S. 28)

Ist es nicht bezeichnend, dass der Sonntag und das Kreuz zur gleichen Zeit in der sogenannten christlichen Kirche eingeführt wurden? Das eine ist genauso heidnisch wie das andere. Neibuhr fasst die Beweggründe Konstantins für die Einführung des Kreuzes als christliches Wahrzeichen treffend zusammen:

»Seine Beweggründe für die Gründung der christlichen Religion sind tatsächlich etwas eigenartig. Die Religion, die er im Kopf hatte, muss ein bloßes Sammelsurium gewesen sein. Auf seinen Geldstücken war ›die unbesiegte Sonne‹ zu sehen; er betete heidnische Gottheiten an, konsultierte Wahrsager und blieb dem heidnischen Aberglauben treu. Dennoch schloss er die Tempel und baute Kirchen.
Nein, nichts rechtfertigt die Behauptung, das Kreuz sei ein christliches Symbol. Vor dem Jahr 300 n. Chr. waren die christlichen Symbole der Fisch, der Anker, das Schiff, die Taube und der Palmzweig. Das Kreuz wurde als christliches Zeichen erst eingeführt, als sich das Kaiserreich Rom politisch mit dem Christentum identifizierte und so zum päpstlichen Rom wurde!«
(Neibuhr, Bible and Modern Discoveries, S. 104-105)

3. Der heidnische Ursprung

»Das Kreuz findet man sowohl in vorchristlichen als auch in nichtchristlichen Kulturen. Das Kreuz war ein gut bekanntes heidnisches Zeichen. Im britischen Museum kann man die Statue von Samai Vul betrachten – dem König von Assyrien, 825 v. Chr. Auf seiner Brust trägt er dieses †. Die Gewänder der Priester des Horus – des ägyptischen Lichtgotts – sind mit diesem † geschmückt. In den Königsgräbern in Theben werden die königlichen Kühe beim Pflügen dargestellt, ein Kalb spielt im Vordergrund. Jedes Tier hat an verschiedenen Stellen das bekannte †. M. Rassam hat in Ninive Gebäude gefunden, die mit dem Malteserkreuz markiert wurden. Osiris und auch Jupiter Ammon hatten ein † als Monogramm.« (New Catholic Encyclopaedia, Bd. 4, S. 473)

»Das Kreuz wurde seit dem frühen Altertum in Ägypten und Syrien verehrt. Die Buddhisten des Ostens verehrten es in gleicher Weise.« (W. D. Killen, 1859, S. 316)

»Das Kreuz hatte seinen Ursprung im alten Chaldäa (Babylon), wo es als Sinnbild des Gottes Tammuz benutzt wurde, als Anfangsbuchstabe seines Namens.« (W. E. Vine in: An Expository Dictionary of the New Testament Words, Bd. 1, S. 256)

»Das Zeichen des Kreuzes, dargestellt in seiner einfachsten Form – nämlich durch Kreuzen zweier Linien im rechten Winkel, war sowohl im Osten als auch im Westen bereits lange vor der Einführung des Christentums bekannt. Es reicht bis auf eine sehr entfernte Zeit der menschlichen Zivilisation zurück.« (Catholic Encyclopaedia, 1908, Bd. 4, S. 517)

»Ein Altar der Philister im innersten Heiligtum war der wertvollste Fund: ein getäfelter Altar aus Basalt, auf dessen Spitze in einem Hochrelief ein Kreuz eingemeißelt ist.« (J. Carrow Duncan, Digging Up Biblical History, S. 109)

»Das Kreuz war das Sinnbild der Anbetung in der Übergangszeit zwischen Hoch- und Spätaltertum in Ägypten und Syrien. Feierliche religiöse Handlungen, die denen des Abendmahls und der Taufe ähneln [gemeint ist hier die katholische Messe und die Besprengung von Kindern], wurden von heidnischen Völkern praktiziert, auf die das Licht des Christentums nie geschienen hatte.« (William Hickling Prescott, Conquests of Mexico, Bd. 2, S. 382-383)

4. Der unchristliche Gebrauch in christlicher Zeit

»Wurde das Kreuz von Heiden auch im christlichen Zeitalter benutzt?«, ist eine Frage, die mir neulich gestellt wurde.

Zweifellos! Auf den Neu-Hebriden benutzen es die Heiden bis heute. Als die Spanier vor rund 500 Jahren in Mexiko eindrangen, »konnten sie ihr Erstaunen nicht unterdrücken, als sie das Kreuz erblickten – das heilige Wahrzeichen ihres eigenen Glaubens – wie es als Kultgegenstand in den Tempeln von Anahuac aufgerichtet war. Sie begegneten ihm an verschiedenen Orten. Die Abbildung eines Kreuzes ist noch heute plastisch geformt in einem Flachrelief zu sehen, das sich an den Mauern eines Gebäudes von Palanque befindet.« (Ebd., S. 381)

»Wie die Juden vorgaben, das Gesetz zu ehren, so behauptet die römische Kirche, das Kreuz zu verherrlichen. Man erhöht das Symbol der Leiden Christi, während man den, den es darstellt, im praktischen Leben verleugnet. Die Anhänger des Papstes bringen auf ihren Kirchen, Altären und Gewändern Kreuze an. Überall sieht man das Ehrenzeichen des Kreuzes; überall wird es nach außen hin verehrt und erhöht. Aber Christi Lehren sind unter einer Fülle von sinnlosen Überlieferungen, falschen Auslegungen und strengen Vorschriften begraben.« (Ellen White, The Great Controversy, p. 568)

Jesu wahres Kreuz

Jesus sagte: »Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.« (Matthäus 16,24). Damit meinte er nicht, dass man ein Kreuz aus Gold um den Hals tragen soll, oder dass man es sich mit einer Kette oder mit Schnüren umhängt. Man sollte es auch nicht innen oder außen an der Gemeinde anbringen. Als Paulus sagte: »Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus«, fügte er sofort hinzu, »durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.« (Galater 6,14). Es ist der gekreuzigte und auferstandene Heiland, der errettet und nicht ein physisches Kreuz.

Man stellt die Frage: »Warum haben wir keine Kreuze?« Weshalb nicht die Frage: »Warum hängen wir keine Kruzifixe auf?« Diese haben wenigstens einen eindeutigeren christlichen Anschein. Weshalb fragt man nicht: »Warum bekreuzigen wir uns nicht?« Das wäre doch dann genauso folgerichtig wie das Kreuz an einem Gemeindegebäude.

Wir brauchen diese Überbleibsel des Heidentums nicht. Seit der Zeit, als Kaiser Konstantin das Kreuz zu seinem Wahrzeichen machte, haben alle Kirchen, die halb christlich und halb heidnisch waren, dieses Symbol verwendet. Auch protestantische Kirchen haben sich oft in derselben Weise schuldig gemacht. Wie Lot sein Zelt nach Sodom hin aufschlug, so zelten auch zu viele protestantische Kirchen an den Toren Roms. Mögen wir doch alle den Ruf beachten: »Geht hinaus aus ihr, mein Volk!« statt zu fragen, ob wir nicht doch einige ihrer Wege annehmen sollten.

»Der Stempel des Christentums ist kein äußerliches Zeichen, nicht das Tragen eines Kreuzes oder einer Krone – es ist vielmehr das, was die Einheit des Menschen mit Gott offenbart. Durch die Kraft seiner Gnade, die in der Umwandlung der Wesensart sichtbar wird, soll die Welt davon überzeugt werden, dass Gott seinen Sohn als Erlöser gesandt hat. Kein anderer Einfluss, der die Menschenseele umgibt hat so viel Kraft, wie der Einfluss eines selbstlosen Lebens. Das stärkste Argument für die Frohe Botschaft ist ein liebender und liebenswerter Christ.« (Ellen White, Ministry of Healing, 470)

Zuerst erschienen in: Unser festes Fundament, 3/2001

Gekürzt aus: The Anchor, Kalbar QLD, Australien, September 1999


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