• Ein Interview mit Johannes Hartlapp: Siebenten-Tags-Adventisten im Nationalsozialismus

    Siebenten-Tags-Adventisten im Nationalsozialismus

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    Johannes Hartlapp spricht über Tabuthemen in der Adventgeschichte: Die Entstehung der Reformgemeinde im Ersten Weltkrieg und unser Verhalten in der Nazizeit.

    Was können wir aus der Geschichte für Lektionen lernen?

Freitag, 10 Januar 2020 – 09:48 Uhr

Daniels zweite Vision: Tiere, Hörner und ein langer Zeitraum

Tiere, Hörner und ein langer Zeitraum

Von der Antike bis in die Neuzeit. Von Kai Mester

Wilde Raubtiere steigen aus dem Meer: Löwe, Bär, Panther und ein schwer zu beschreibendes Ungeheuer. Daniel kommt in seiner Vision aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dennoch war es, als hätte jemand die Replay-Taste betätigt. Denn die vier Weltreiche wurden schon in der ersten Vision im Danielbuch beschrieben.

Der Löwe galt in Babylon als Symbol der babylonischen Göttin Ischtar. Welches Reich er darstellte, war also sehr eindeutig: Das Weltreich Babylon.

Die rasende Geschwindigkeit, mit der sich das griechische Weltreich unter Alexander dem Großen ausbreitete, ist an den vier Flügeln des Panthers zu erkennen. Seine vier Köpfe weisen auf die Aufteilung des Reiches unter seinen vier Generälen hin, den Diadochen. Diese Erklärung wird in der dritten Vision bestätigt: Es »ist der König von Griechenland … Dass … an seiner Stelle vier andere aufgekommen sind, bedeutet, dass aus diesem Volk vier Königreiche entstehen werden.« (Daniel 8,21.22) Aus den Diadochenkriegen gingen vier Reiche hervor: Die Reiche des Kassandros, Lysimachos, Ptolemaios und des Seleukos.

Rom am Übergang

Nach diesen Details, die uns die Vision vermittelt, wird nun die Zoom-Taste betätigt, und zwar besonders lange. Das vierte Reich, Rom, wird sehr ausführlich beschrieben und erklärt. Zehn Hörner hat dieses Ungeheuer. Dann wächst ihm ein elftes Horn, das drei der zehn Hörner ausreißt. Dieses Horn ist eigenartig; denn es hat Augen und ein Maul, mit dem es redet.

Die zehn Hörner stellen zehn Könige oder Königreiche dar, die aus Rom entstanden (Vers 24). Es waren die Alamannen, Ostgoten, Westgoten, Franken, Vandalen, Sueben, Burgunder, Heruler, Angelsachsen und Langobarden, die bei der Völkerwanderung das gesamte weströmische Gebiet und die römische Kultur übernahmen. Die Heruler, Ostgoten und Vandalen wurden schließlich besiegt, damit der Papst in Rom seine Vormachtstellung einnehmen konnte.

Die dreieinhalb Zeiten

Das kleine Horn, das drei Hörner ausriss, war eine religiöse und staatliche Macht. Es würde Krieg gegen die »Heiligen« führen und sie überwinden (Daniel 7,21). Mit den Heiligen sind in der Bibel nicht etwa nach ihrem Tod heilig gesprochene Menschen gemeint, sondern alle, die zu Gottes Volk gehören (5. Mose 33,3). Diese Heiligen des Höchsten würden von dem kleinen Horn aufgerieben und »ein Jahr, zwei Jahre und ein halbes Jahr« in seine Gewalt gegeben werden (Daniel 7,25 Elberfelder). Das aramäische Wort (עדן 'iddan) kann mit Zeit oder Jahr übersetzt werden.

Rechnen wir diese dreieinhalb Jahre in Tage oder Monate um, so kommen wir bei einer gerundeten Tagesanzahl von 360 Tagen pro Jahr und 30 Tagen pro Monat auf 1260 Tage oder 42 Monate. Genau diese drei Zeitspannen begegnen uns in der Offenbarung wieder: Dreieinhalb Zeiten oder 1260 Tage soll die Gemeinde fern vom Angesicht der »Schlange« in der Wüste ernährt werden (12,6.14), 1260 Tage sollen Altes und Neues Testament in Sacktuch weissagen (11,3), und 42 Monate soll die heilige Stadt zertreten werden (11,2) und das »Tier« Zeit zum Wirken haben (13,5).

Offensichtlich handelt es sich hierbei um dieselbe Zeitspanne, die wohl kaum buchstäblich zu verstehen ist. Denn sie taucht immer in einem hochsymbolischen Kontext auf. Die gerundete Anzahl der Tage entspricht weder der Realität im Mond- noch im Sonnenkalender. Hinzu kommt, dass es eine merkwürdige Art ist, diesen Zeitraum auszudrücken. Wenn es in der Bibel tatsächlich um dreieinhalb Jahre geht, ist sonst ganz gewöhnlich von drei Jahren und sechs Monaten die Rede (Lukas 4,25; Jakobus 5,17).

Diese Zeitkette muss also symbolisch sein. Die Bibel hilft uns beim Entschlüsseln:

Das Jahr-Tag-Prinzip

Weil die Israeliten das gelobte Land 40 Tage auskundschafteten, sich dann aber gegen eine Landnahme entschlossen, sollten sie 40 Jahre ihre Ungerechtigkeiten tragen. So war ihre 40-tägige Kundschafterwanderung eine Prophezeiung auf 40 Jahre Wüstenwanderung (4. Mose 14,34).

An anderer Stelle inszenierte der Prophet Hesekiel, ein Zeitgenosse Daniels, eine Belagerung gegen ein Modelljerusalem. Dabei belagerte er einmal 390 und einmal 40 Tage lang dieses Miniaturmodell. Die Tage seiner symbolischen Inszenierung entsprachen den tatsächlichen Jahren, in denen Israel und Juda Schuld auf sich geladen hatten (Hesekiel 4,5.6).

Für Daniel war also das Jahr-Tag-Prinzip nichts Neues.

Wann wurden nun die Heiligen in die Gewalt des kleinen Horns gegeben? Der oströmische Kaiser Justinian I. erließ 533 ein Dekret, das den Bischof in Rom zum Oberhaupt aller Kirchen erklärte. Als die Ostgoten 538 ihre Belagerung Roms aufgaben, konnte das Dekret Justinians erstmalig umgesetzt werden. Genau 1260 Jahre später (ein Jahr für einen prophetischen Tag), im Jahr 1798, wurde der Papst von Napoleons General Berthier schließlich gefangen genommen und die Ära der religiösen Intoleranz ging zu Ende.

Die biblische Prophetie verblüfft dadurch, dass sie auch nach über tausend Jahren noch treffsicher ist.

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