Montag, 01 Oktober 2018 – 07:05 Uhr

Kontrolle abgeben: Privatunterricht in Vertrauen

Privatunterricht in Vertrauen
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Jeder gerät in unvorhergesehene Situationen. Von Edwin Nebblett
 

Im Januar 1998 fuhren wir nach New Mexico in Urlaub, weil wir einen Umzug dorthin in Erwägung zogen. Ich machte mir Sorgen. Von Natur aus ist es mir lieber, wenn alles so bleibt, wie es ist. Aber man kann ja nicht vermeiden, dass sich im Leben ständig etwas ändert. Damals kannte ich die wahre Ursache für meine Sorgen nicht.

Wir hatten mehrere Tage an einem See gezeltet und es wirklich genossen, als Familie zusammen zu sein. An einem Tag wünschte sich meine Frau, dass wir zum Sonnenuntergang etwas weiter in den Nationalpark hineinfahren. Als der Tag langsam zu Ende ging, nahm ich mir die Landkarte vor und fand einen Waldweg, der uns etwas tiefer in den Nationalpark hinein und dann in einem Bogen wieder auf die Hauptstraße zurückführen würde. Beim Überqueren einiger verschneiter Streckenabschnitte war mir nicht ganz wohl. Aber ich verdrängte meine Sorgen, dass wir stecken bleiben könnten. Schließlich waren wir ja mit einem Allradfahrzeug unterwegs.

Wir sitzen fest!

Nach ein paar weiteren Kilometern ging es leicht bergab und wir blieben mitten im Nationalpark im Schnee stecken. Meine Frau und unsere vier Kinder waren begeistert von dem Abenteuer. Ich hingegen nicht. Warum? In den nächsten Stunden wurde es deutlich. Wir mussten die Nacht im Auto verbringen. Während meine Familie friedlich schlief, machte ich mir große Sorgen über unsere Lage fernab der Zivilisation.

Jesus und die Jünger im Sturm

Wie erging es wohl den Jüngern, als sie, wie in Markus 4,35-40 geschildert, mit dem Boot auf dem See unterwegs waren? Nachdem Jesus dem Volk viele Tage lang gedient hatte, war er erschöpft und brauchte Ruhe. Deshalb sagte er zu den Jüngern, als er die Menschenmenge entlassen hatte: »Lasst uns den See überqueren.« Auf der ruhigen Fahrt schlief Jesus ein. Doch der Friede wurde durch einen heftigen Sturm gestört. Zuerst verließen sich die Jünger auf ihre Erfahrung und taten alles, um sich zu retten.

»Die abgehärteten Fischer hatten ihr Leben auf dem See verbracht und ihr Schiff sicher durch viele Stürme gesteuert. Doch jetzt nützte all ihre Kraft und ihre Geschicklichkeit nichts. Sie waren dem Sturm hilflos ausgeliefert, und ihre Hoffnung sank, als sie sahen, wie sich das Boot mit Wasser füllte.« (Desire of Ages, 334; vgl. Das Leben Jesu, 325)

»Da erinnerten sie sich, wer sie eigentlich über den See geschickt hatte. In Jesus lag ihre einzige Hoffnung. In ihrer Hilflosigkeit und Verzweiflung riefen sie: ›Meister, Meister! … Herr, rette uns, damit wir nicht umkommen.‹ Noch nie ist eine Seele mit diesem Ruf auf taube Ohren gestoßen … Jesus stand auf … und sagte zu dem wütenden Meer: ›Schweig! Verstumme!‹ Da legte sich der Sturm … Als Jesus aufgeweckt wurde, um dem Sturm entgegenzutreten, hatte er völligen Frieden … Er vertraute der Macht des Vaters. Jesus ruhte im Glauben – im Glauben an Gottes Liebe und Fürsorge. Die Macht des Wortes, die den Sturm stillte, war Gottes Macht.« (ibd. 335, 336; vgl. ebd. 326, 327)

In welchem Sturm befinden wir uns?

Wohin wenden wir uns, wenn wir uns plötzlich mitten im Sturm des Lebens befinden? Ich hätte denselben Frieden haben können wie Jesus im Sturm, als wir da im Nationalpark im Schnee steckten, hätte ich nur wie Jesus meinem Vater völlig vertraut. Doch wie die Jünger hatte ich Jesus in meiner Not vergessen. Ich musste noch lernen, wie ich im Glauben auf die Fürsorge meines Retters ruhen konnte. In den frühen Morgenstunden öffnete ich erschöpft und verzweifelt die Bibel. Als ich betete, stellte unser Herr und Meister mir in meinen Gedanken die Frage: »Vertraust du mir?« Erschöpft, wütend über die Lage, in der wir uns befanden und verzweifelt, weil ich nicht mehr weiter wusste, antwortete ich: »Nein.« Es brach mir fast das Herz. Jetzt erkannte ich, was mein Problem war. Ich war zu sehr daran gewöhnt, Probleme selbst zu lösen. Diesmal funktionierte es nicht. Ich musste noch lernen, mich Gottes Fürsorge im Glauben völlig anzuvertrauen.

Machst du dir Sorgen um deine Lebenslage, deine Ehe, deine Kinder, deine Finanzen? Kannst du lange nicht einschlafen, wachst du schon früh am Morgen auf und isst dein Brot mit Sorgen (Psalm 127,2)? Wie seinen Jüngern im Boot so stellte Jesus auch mir an jenem Morgen und dir heute die Frage: »Was seid ihr so furchtsam? Wie, habt ihr keinen Glauben?« (Markus 4,40) Möchte Gott nicht in unser aller Herzen wohnen?

Loslassen und abgeben

Dort im Schnee im Nationalpark musste ich an den Punkt kommen, wo ich das Steuer aus der Hand gab und Gott ans Steuer ließ. Innerlich zerbrochen schlug ich die Bibel auf und las Psalm 32. Als ich das Kapitel studierte, veränderte Vers 8 mein Herz. »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, auf dem du wandeln sollst; ich will dir raten, mein Auge auf dich richten.« Dieser Vers veranlasste mich zu rückhaltloser Hingabe. Ich gab es auf, alles im Griff behalten zu wollen und gelangte zu Einsichten, die mir noch heute wichtig sind. Nur wenn wir Gott freiwillig ans Steuer lassen, von ihm lernen und ihm nachfolgen, können wir von der Sucht frei werden, alles unter Kontrolle haben zu wollen. Matthäus 11,28-30 zeigt uns, wie wir denselben Frieden erhalten können, den Jesus im Sturm hatte. Er bietet ihn jedem an, der zu ihm kommt und sich ihm anvertraut. Er empfiehlt uns sein Joch, dann sind wir mit seiner Macht verbunden und können die »Lebenslast« leichter tragen.

Treffen wir die Entscheidung, uns völlig Gottes Willen zu eigen zu machen und seinen Weg ganz zu gehen statt mit geteiltem Herzen, dann werden wir Jesus alles geben und ihm bedingungslos alles anvertrauen – unser ganzes Sein, unsere Ehe, unsere Kinder, unsere Finanzen, unser Haus und unsere Verwandtschaft. Ja, Jesus möchte uns helfen.

Gott am Steuer

Als meine Familie an jenem Morgen aufwachte, war sie immer noch begeistert von dem Abenteuer. Alle standen auf und hatten ihre persönliche stille Zeit. Dann machten wir eine Familienandacht und frühstückten. Wir vertrauten auf Gottes Fürsorge und begutachteten unsere Lage. Ich schlug vor, dass wir versuchen sollten umzudrehen und den Hügel wieder hinaufzufahren. Irgendwie schafften wir es dann auch, das Auto zu wenden. Meine Frau saß am Steuer, gab Gas, und wir alle schoben das Auto bergauf. Da fing es an, von der Straße zu rutschen. Meine Frau gab auf, und ich übernahm.
Als ich auf den Sitz sprang und aufs Gas treten wollte, flüsterte mir eine lautlose Stimme zu: »Langsam!« Weil ich nun mit Gott verbunden war, reagierte ich sofort auf diese Eingebung des Heiligen Geistes und wahrscheinlich halfen die Engel das Auto durch den tiefen Schnee bergauf zu schieben. Jesus möchte uns aus allem erretten, was uns versklavt. Mir wurde an jenem Tag eine Lehre in Vertrauen erteilt. Mein Vertrauen auf meinen treuen Vater ist gewachsen. Es gibt keine Situation, der er nicht gewachsen wäre.


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