• Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 65): Emanuel wird Missionar

    Emanuel wird Missionar

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    … und erlebt Gottes heilende Kraft. Von John Holbrook

Montag, 26 Januar 2015 – 06:16 Uhr

Tawbuid-Projekt auf Mindoro: Mein Freund

Mein Freund

Photo: Tom Wang- Shutterstock.com

Wie aus einer Kinderfreundschaft trotz Hindernissen ein Missionarsteam wurde. von John Holbrook

»Oi!« rief ein pausbäckiges braunes Gesicht, das hinter einem Mangobaum hervorlugte. Das lachende Gesicht verschwand genauso schnell, wie es aufgetaucht war.

Sofort verstand ich das Spiel und schlich mich an eine niedrige Astgabel des Baumes an. Plötzlich steckte ich mein Gesicht hindurch und brüllte: »Oi!« Ich erntete einen erschreckten Blick und dann ein breites Lächeln. Ich hatte einen neuen Freund.

Es war November 1994, als ich Delpin das erste Mal begegnete, dort hinter dem Mangobaum. Meine Familie war gerade als AFM-Volontäre angekommen. Noch bevor wir ein Wort in der Sprache des anderen sprechen konnten, entstand zwischen Delpin und mir eine enge Verbindung. Mit den Jahren erlebten wir das ganz normale Auf und Ab einer Freundschaft, Kämpfchen, »Pyjamaparties«, große Abenteuer und gähnende Langeweile. Oft musste seine Familie ins Landesinnere reisen, um Nahrung zu finden und fast genauso oft musste meine Familie in die Staaten aus praktisch demselben Grund. Aber wir gingen durch Dick und Dünn und unsere Freundschaft wurde tiefer.

Dann kam die Ankündigung, die ich befürchtet hatte. Unsere Aufgabe als Familie unter den Alangan war erfüllt und es war Zeit, das Land zu verlassen. Als ich mein Alangan-Zuhause hinter mir ließ, brach es mir das Herz. Ich spüre den Schmerz sogar jetzt beim Schreiben, als wäre es gerade erst geschehen.

Doch Gottes Barmherzigkeit kennt keine Grenzen. So konnte ich in den darauffolgenden Jahren jedes Jahr einen Kurzbesuch machen. Am Ende jedes Besuches winkte ich Delpin aus dem Busfenster, bis er um die Ecke verschwand. Mir brach erneut das Herz und ich ließ meinen Tränen freien Lauf. Doch auch dann flüsterte Gott mir etwas ins Ohr. Er hatte Pläne mit einem entlegenen Stamm im Süden und er rief mich beim Namen.

Als Delpins zwei ältesten Kinder starben, war das ein herber Schlag für ihn. Er fiel in tiefe Depression. Wütend auf Gott und kaum zum Weiterleben fähig, kehrte er dem Glauben den Rücken. Seine schon damals schwierige Ehe stand kurz vor der Scheidung. Seine übrigen Kinder entwickelten sich unter den Händen einer ängstlichen Mutter, die sie verwöhnte, zu kleinen Plagegeistern. Manchmal betrank sich Delpin und er wurde für sein Temperament berüchtigt. Ich konnte nichts tun, als inständig für ihn zu beten.

Dann kam der Tag, auf den ich lange hingearbeitet hatte: das Tawbuid-Projekt startete! Als ich in mein altes Zuhause zurückkehrte, begrüßten mich die Menschen mit offenen Armen. Traurig, dass ich entschlossen war, zu einem neuen Stamm weiterzuziehen, entschieden sie, dass ich nicht alleine gehen könne. Nach viel Überlegung wurde man sich einig: Delpin und seine Familie sollten meine Arbeitskollegen werden.

In den zweieinhalb Jahren seit diesem Tag durfte ich eine wunderschöne Veränderung in meinem Freund beobachten. Seine Wut und Verzweiflung sind vorbei und seine alte Selbstbeherrschung und Mäßigkeit wieder da. Sein Glaube ist wieder stark und kindlich. In seine Ehe ist Frieden eingezogen und seine Kinder entwickeln sich unter beständig guter Erziehung zu glücklichen Zeitgenossen. Und das Beste ist: Er lernt allmählich, andere zu dem Glauben zu bringen, der uns beide gerettet hat.

Was für eine Freude ist Freundschaft doch! Das Leben kann hart sein, »aber es gibt Freunde, die hangen fester an als ein Bruder.« (Sprüche 18,24 Luther 84)

Aus: Adventist Frontiers, Dezember 2014

http://www.afmonline.org/post/my-friend

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM). AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.
JOHN HOLBROOK möchte das eingeborene Bergvolk der Tawbuid auf der philippinischen Insel Mindoro erreichen.
www.afmonline.org/de


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