• Wenn Angehörige sterben: Beerdigen oder Einäschern?

    Beerdigen oder Einäschern?

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    Früher stellte sich diese Frage gar nicht. Hat wer die Wahl hat, heute auch die Qual? Von Kai Mester

Freitag, 29 März 2019 – 06:28 Uhr

Wenn Angehörige sterben: Beerdigen oder Einäschern?

Beerdigen oder Einäschern?

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Früher stellte sich diese Frage gar nicht. Hat wer die Wahl hat, heute auch die Qual? Von Kai Mester

Im Judentum und Islam ist die Einäscherung noch bis heute strikt verboten. Im Christentum war sie es die meiste Zeit.

Feuerbestattung lange tabu

Als Gründe dafür werden mehrere angegeben:

  1. In der Bibel galten nur Begräbnisse als ehrenhaft (zahlreiche Texte mit »begraben«, »Grab«).
  2. Ein Begräbnis bringt sichtbar den Glauben zum Ausdruck, dass der Tote schläft und am Jüngsten Tag, wenn sich »die Gräber öffnen«, auferstehen wird (Hesekiel 37,12.13; Johannes 5,28.29).
  3. Besonders schlimme Verbrecher wurden bei lebendigem Leibe verbrannt (3. Mose 20,14; 21,9; Josua 7,25). Dadurch wurde die Verbrennung eines Menschen generell als etwas sehr Negatives empfunden, sozusagen den Für-die-Ewigkeit-Verlorenen vorbehalten.
  4. Feuerbestattung gab es zum Beispiel nach Hinrichtungen von Götzenpriestern (1. Könige 13,2; 2. Könige 23,20; 2. Chronik 34,5).
  5. Das Feuer steht symbolisch für die endgültige Auslöschung im Feuersee (Offenbarung 19,20; 20,10.14.15).
  6. Das Papsttum hat dieses Verständnis in der Inquisition benutzt, um die Ketzer hinzurichten.
  7. Die Einäscherung galt und gilt als die Bestattungsart der Wahl in den fernöstlichen Religionen (New Age) und soll die Seele vom Körper befreien. Auch in der Antike war die Feuerbestattung bei den Griechen und Römern verbreitet.

Feuerbestattung von König Saul und seinen Söhnen?

Nur ein einziges Mal findet sich Feuerbestattung in der Bibel in einem "positiven" Kontext, nämlich bei König Saul und seinen Söhnen (1. Samuel 31,11-13). Allerdings wurden die Leiber nur bis auf die Knochen verbrannt und diese dann doch noch begraben. Wahrscheinlich wurden die Leiber aber nur deshalb verbrannt, weil sie schon der Verwesung preisgegeben waren (2. Samuel 21,10.11). Die Verbrennung wird in den beiden Paralleltexten, wo von Sauls Begräbnis die Rede ist, nicht erwähnt (2. Samuel 21,12-14; 2. Chronik 10,11-12).

Der adventistische Theologe George Reid vom adventistischen Biblical Research Institute beruft sich auf diese Begebenheit, wenn er die Einäscherung als biblisch legitime Alternativ-Methode darstellt.
https://www.adventistbiblicalresearch.org/materials/practical-christian-living/cremation

Ein anderer Autor weist darauf hin, dass Ellen White bei ihrer Beschreibung dieses Ereignisses kein negatives Wort über die Verbrennung sagt, sondern von einem »Ehrenbegräbnis« spricht (Patriarchs and Prophets, 682).

Aarons Begräbnis: schlicht und vorbildlich

»Über das Begräbnis von Israels Hohem Priester geben die Schriften nur einen einfachen Bericht: ›Dort starb Aaron und wurde daselbst begraben.‹ (5. Mose 10,6) Was für ein krasser Gegensatz zu den heutigen Bräuchen war dieses Begräbnis, das nach Gottes ausdrücklichem Gebot durchgeführt wurde. Heutzutage werden Männer von hoher Position oft mit Prunk und Pomp begraben. Doch als Aaron starb, einer der berühmtesten Männer, der je lebte, wohnten nur zwei seiner engsten Freunde seinem Tod und seiner Beerdigung bei. Dieses einsame Grab auf dem Berg Hor blieb für immer den Augen Israels verborgen. Gott wird nicht durch eindrucksvolle Handlungen und großartigen Schmuck geehrt, die man so oft den Toten erweist, auch nicht durch übertriebene Kosten, die dadurch entstehen, dass man ihre Leichname dem Staub zurückgibt.« (Patriarchs and Prophets, 427)

Es wäre also gar nicht so unbiblisch, eine Bestattung unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder der meisten Angehörigen stattfinden zu lassen. Bei Moses waren sogar überhaupt keine menschlichen Zeugen dabei (5. Mose 34,6). In solchen Fällen gab es aber eine 30-tägige Volkstrauer (4. Mose 12,29; 5. Mose 34,8). So gibt es auch heute wieder häufiger Gedenkfeiern weit abseits der Friedhöfe und mit einigen Wochen Abstand zum Todesdatum, in denen das Gedenken mit der Botschaft der Hoffnung verknüpft werden kann.

Auferweckung von Leichnamen, Knochen oder Asche?

Der Engel Michael hat mit Satan um den Leichnam des Mose gestritten (Judas 9). Die Bibel scheint also auch einem toten Körper durchaus noch eine Bedeutung zu geben. Hesekiel sah in der Vision, wie aus lauter Totengebeinen, die auf dem Schlachtfeld umherlagen, Menschen zu neuem Leben auferstanden (Kapitel 37). Gott kann also nicht nur Leichname auferwecken, sondern auch den ganzen Menschen wieder erstehen lassen, selbst wenn nur noch Knochen vorhanden sind. So hat er ja auch Eva aus einer Rippe gebildet (1. Mose 2,22).

Doch bei der Auferweckung am jüngsten Tag wird Gott die Toten förmlich aus dem Nichts entstehen lassen. Er ist dazu auch nicht auf mindestens ein Stück Knochen angewiesen, wie es einige Rabbiner des Judentums formulierten. Nach neuester Forschung werden alle Knochenzellen des menschlichen Körpers in bis zu zehn Jahren einmal komplett ausgetauscht.

Wäre Gott nicht imstande, den Menschen aufzuerwecken, auch ohne das seine Knochen noch vorhanden sind, wären ja die verbrannten Märtyrer unrettbar verloren, deren Asche zum Teil in einen Fluss gestreut wurde. Doch gerade den Märtyrern wird »gesagt, dass sie ruhen müssten noch eine kleine Zeit, bis vollzählig dazukämen ihre Mitknechte und Brüder« (Offenbarung 6,11). Bei der Auferweckung der Gerechten werden die Hingerichteten besonders hervorgehoben (Offenbarung 20,4).

Selbst Abraham und Hiob haben sich schon als Staub und Asche bezeichnet (1. Mose 18,27; Hiob 30,19). Asche kann demnach für Gott kein Hindernis sein, um das Leben zurückzugeben. Adam hatte er aus Staub vom Erdboden gebildet (1. Mose 2,7). Im Zweifelsfall wäre Gott nicht einmal auf Staub angewiesen. Denn »die Himmel sind durch das Wort des HERRN gemacht, und ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes … Denn er sprach, und es geschah; er gebot, und es stand da.« (Psalm 33,6.9)

Vier Kriterien für eine Bestattung

Wenn ich mir nun alle genannten Aspekte vor Augen führe, fallen mir vier Werte auf, an denen man sich bei einer Bestattung orientieren kann:

  1. Schlichtheit statt Pomp
  2. Sparsamkeit statt Geldverschwendung
  3. Botschaft:
       .  Totenschlaf statt Seelenglauben
       .  Auferstehungshoffnung statt Sinnlosigkeit
       .  Bejahung des Körpers statt Leibfeindlichkeit
  4. Ehrenhaftigkeit (Wirkung auf die Nachwelt, Angehörige, vor allem Kinder)

Wie wird man nun allen diesen vier Werten gerecht? Und entspricht das vielleicht heute der Quadratur des Kreises?

Bestattungen heute und bei den Römern und Griechen

Heute ist der Grund für Feuerbestattung in der Regel ganz pragmatisch ein finanzieller, in manchen Ländern auch angeblich der mangelnde Platz für Gräber. Aber natürlich werden auch Atheisten die Feuerbestattung vorziehen, weil für sie die eingangs angeführten acht Gründe ohnehin irrelevant sind. Leider scheint in unserem Kulturkreis ein schlichtes Begräbnis ohne hohe Kosten für Grabstein, Steinplatte oder aufwändige Grabpflege plus langjährige Grabmiete kaum möglich zu sein.

Noch zu römischer Zeit war es umgekehrt gewesen: Die Feuerbestattung war die aufwändigere und teurere Bestattungsform, die für die unteren sozialen Schichten sogar unerschwinglich war. Auch im alten Griechenland wurde die Feuerbestattung von den Wohlhabenden praktiziert.

Ägyptische Bestattung

Die Einbalsamierung von Toten war eigentlich ein Ritual aus dem ägyptischen Götterkult. Sie sollte den Pharao für die Reise ins Jenseits vorbereiten. Dennoch wurden Jakob und Josef über viele Tage einbalsamiert, um für die Überführung nach Israel konserviert zu werden (1. Mose 49). Das mag pragmatisch gewesen sein, aber auch im ägyptischen Kontext eine große Ehrenbezeigung. Die Bibel bewertet dies nicht. Ellen White schreibt über die Aufforderung Jakobs, ihn in Israel zu begraben: »Auf diese Weise sollte der letzte Akt seines Lebens seinen Glauben an Gottes Verheißung bekunden.« (Patriarchs and Prophets, 237) So sandte das Begräbnis dieser beiden Glaubensmänner trotz jenes eigentlich heidnischen Rituals eine göttliche Botschaft.

Sich aufs Leben konzentrieren statt auf den Tod!

Jesus brachte eine ganz neue Sicht in die Thematik. Er sagte: »Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben!« (Matthäus 8,22) Oder bei einer anderen Gelegenheit: »Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr die Gräber der Propheten baut und die Denkmäler der Gerechten schmückt.« (Matthäus 23,29) Damit nimmt er dem Thema die zentrale Wichtigkeit, die mancher ihm zumisst.

Eine ganz persönliche Gewissensfrage

Ich denke, schlussendlich muss jeder ganz persönlich mit seinem Gott ausmachen, wie er ein Begräbnis durchführt, wenn er in eine Situation kommt, wo er über die Bestattungsform zu entscheiden hat:

»Denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst. Denn leben wir, so leben wir dem HERRN, und sterben wir, so sterben wir dem HERRN; ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem HERRN. Denn dazu ist Christus gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, dass er sowohl über Tote als auch über Lebende HERR sei. Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden ja alle vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen; denn es steht geschrieben: ›So wahr ich lebe, spricht der HERR: Mir soll sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen.‹ So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einander richten, sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass dem Bruder weder ein Anstoß noch ein Ärgernis in den Weg gestellt wird!« (Römer 14,7-13)

Als Friedensstifter sind wir außerdem angehalten, keinen unnötigen Streit mit anderen vom Zaun zu brechen, die vielleicht ein Mitspracherecht in einem solchen Fall haben.

»Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.« (Matthäus 5,9)

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