• Der Weg aus der Angst: Als Adam sich fürchtete

    Als Adam sich fürchtete

    Adobe Stock - Eastlyn Bright

    Über die Urangst des Menschen und was sie mit meinen Ängsten zu tun hat. Von Kai Mester

Montag, 10 Dezember 2018 – 06:27 Uhr

Der Weg aus der Angst: Als Adam sich fürchtete

Als Adam sich fürchtete

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Über die Urangst des Menschen und was sie mit meinen Ängsten zu tun hat. Von Kai Mester

Sie kennen die Geschichte von Adam und Eva in den ersten Kapiteln der Bibel? Nun, heute stellt man sich das erste Menschenpaar ja sehr affenähnlich vor. Die Bibel beschreibt Adam und Eva aber eher wie griechische Halbgötter, also makellos schön (1. Mose 1,27.31), um die vier Meter groß (1. Mose 6,4; 5. Mose 3,11) und mit fast tausendjähriger Lebensspanne (1. Mose 5,5).

Kein Vertrauen

In ihrer Geschichte geht es zum ersten Mal um Angst, und dafür interessieren wir uns hier. Adam und Eva scheitern schon gleich zu Anfang. Sie tun das Einzige, wovon ihnen dringend abgeraten wurde, und kosten von der Frucht des verbotenen Baumes. Dabei hatten sie unzählige andere Obstbäume zur Auswahl. Während Eva auf die verführerische Logik einer geflügelten und zudem sprechenden Schlange hereinfiel, musste sich Adam vorwerfen, in vollem Bewusstsein seiner Frau in die Falle gefolgt zu sein, weil er sie nicht verlieren wollte (1. Mose 3,1-6).

Und nun setzte die Angst ein. Irgendeine Veränderung war in ihnen vorgegangen, sodass sie meinten, ihren Körper mit geflochtenen Feigenblättern schützen zu müssen. Trotzdem versteckten sie sich noch zusätzlich hinter den Bäumen vor ihrem Designer.

»Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.« (1. Mose 3,9.10)

Die Angst, etwas Unumkehrbares getan zu haben, die Angst vor dem Tod hatte Adam gepackt. Denn er hatte die Bitte, ja die Warnung seines Schöpfers, seines besten, väterlichen Freundes ignoriert, die doch nur zu seinem eigenen Wohl ausgesprochen worden war. Ein Vertrauensbruch, eigentlich sogar ein Misstrauensvotum oder eine Verschwörung. Denn hatte nicht die Schlange gesagt, dass die Frucht sie zu Göttern machen würde und dass ihnen Gott gerade das nicht gönne? Die Bibel bezeichnet das als Sünde.

Der versöhnliche Gott

Das Phänomenale in der Geschichte vom Sündenfall ist die Reaktion Gottes. Er bestraft die Schlange und nimmt ihr die Flügel weg (1. Mose 3,14). Er verheißt der Frau den Sieg über diesen Drachen (1. Mose 3,15; Offenbarung 12,5.7-9).

Alle Erschwernisse, die er nun Eva und Adam ankündigt, sind als Schutz vor Schlimmerem gedacht, als liebevolle Hilfestellung auf dem Weg zurück zum Vertrauen: das schmerzvolle Kindergebären, die Abhängigkeit vom Mann, der schwierige Ackerboden, die harte Arbeit, das Sterben (1. Mose 3,16-19).

Die versöhnliche Haltung des scheinbar wenig gekränkten Schöpfers kommt aber am stärksten darin zum Ausdruck, dass er die angekündigte Folge noch einmal aufschiebt. Ein Vertrauensbruch gegenüber dem Lebensspender, eine Rebellion gegen das Leben ist eigentlich so, wie wenn man den Stecker zieht: Das Licht geht aus, der Tod tritt ein.

Gott hatte gesagt: »Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.« (1. Mose 2,17 EU)

Das Menschenpaar war sich aber bei seiner Tat doch nicht wirklich der ganzen Tragweite seiner Handlung bewusst, auch tat ihm die ganze Sache furchtbar leid. Deshalb geschieht nun etwas, das eigentlich nur in einem Satz angedeutet wird: »Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie.« (1. Mose 2,21) Hier musste mindestens ein Tier sterben, damit ein Weiterleben möglich wurde: Kleider, die vor der Kälte und den Verletzungen eines Lebens außerhalb des Paradieses schützten. Dieser Opfertod stand letztlich symbolisch für den Leidensweg, den Gott freiwillig einschlug, als er sich entschied, die Abwege seiner Geschöpfe so lange zu ertragen, bis sie durch ihre Entscheidung allen seinen Versöhnungsversuchen trotzen oder sein Versöhnungsangebot gerne annehmen würden.

Habe ich also wirklich einen väterlichen Schöpfer, der mir trotz meiner Fehler und meiner Ignoranz Leben schenkt, damit er um mein Vertrauen werben kann? Was ist dieser Gott für ein Wesen, dem mein freier Wille so viel Wert ist, dass er dafür unsägliches Leid in Kauf nimmt? Wenn es ihn wirklich gibt, dann müssen ihm doch die Grausamkeiten, die sich seine »Kinder« untereinander zufügen, unendlich wehtun, denn »die Augen des Herrn durchstreifen die ganze Erde« (2. Chronik 16,9).

»Warum lässt er dieses Leid zu?«, fragen sich viele Menschen. Er könnte es verhindern, indem er die Menschheit in einer Sekunde auslöschen würde. Doch zur Versöhnung braucht er unser Verständnis, und das kann er nur gewinnen, wenn er uns frei schalten und walten lässt mit allen Folgen, bis hin zur Veränderung des Klimas und den sich daraus ergebenden Naturkatastrophen.

Adam hatte Angst. Auch wir haben Angst. Wenn es aber einen Gott gibt, dann gibt es auch einen Weg aus der Angst. Lassen Sie sich einmal völlig unverbindlich auf dieses Gedankenmodell ein! Vielleicht entpuppt es sich hinterher doch als wunderschöne Realität.

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