• Alles beginnt im Kopf: Du sollst nicht träumen!

    Du sollst nicht träumen!

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    Warum denn das? Ist nicht Martin Luther Kings »I have a dream« als erhabenes Motto in die Geschichte eingegangen? Von Kai Mester

Sonntag, 23 November 2014 – 10:30 Uhr

Tief in meinem Inneren Wer bin ich? Wer darf ich sein?

Wer bin ich? Wer darf ich sein?

Bild: PathDoc - shutterstock.com

Bin ich Sklave meiner Gedanken und Gefühle? Muss ich mich mit meinem vermeintlichen Schicksal abfinden? Bin ich dazu verdammt eine Art Doppelleben zu führen? Außen hui, innen pfui! Oder gibt es einen überzeugenden Ausweg? … von Alane Waters

Halt! Überlegen Sie mal! Woran haben Sie vor fünf Minuten gedacht? Gerade fünf Minuten, bevor Sie begonnen haben, diesen Artikel zu lesen? Worüber vor zwei Stunden? Wo waren Ihre Gedanken? Was haben Sie dabei empfunden? Worüber gestern und vorgestern? Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, diese Fragen zu beantworten, bevor Sie weiterlesen.

Hatten Sie inneren Frieden? Wäre es Ihnen peinlich gewesen, wenn jemand neben Ihnen genau gewusst hätte, was Sie denken und fühlen? Hätten Sie diese Gedanken und Gefühle auch in einer Welt haben können, in der es kein Leid gibt?

Meine Gedanken- und Gefühlswelt

Warum stelle ich solche Fragen? Weil gerade dort – ganz tief in meinem Inneren – der Charakter geformt wird. »Wenn die Gedanken sündhaft sind, dann werden auch die Gefühle sündhaft sein. Gedanken und Gefühle zusammen aber bilden den Charakter.« (Mind, Character and Personality 2, 660)

Nicht die Art, wie ich esse oder wie ich mich kleide, nicht mein Organisationstalent, nicht meine Intelligenz oder meine Vernunft, nicht meine Religiosität oder meine Weltanschauung machen meinen Charakter aus. Er wird vielmehr geformt von meinen Gedanken und den dazu gehörenden Gefühlen.

Deshalb schrieb der Apostel Paulus schon vor zweitausend Jahren: »Jeden Gedanken nehmen wir gefangen, damit er Christus [dem selbstlosen Messias] gehorsam wird.« (2. Korinther 10,5 Neue Genfer). Andernfalls wird unsere natürliche, menschliche und fleischliche Neigung dazu führen, dass wir in allen Situationen immer zuerst an uns denken, zuerst an unser eigenes Ich.

Was wir über andere denken, bestimmt unsere Gefühle ihnen gegenüber. Die Urgeschichte im Buch Genesis drückt dies so aus: »Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens [seines Innersten] nur böse den ganzen Tag.« (1. Mose 5,6 Elberfelder) Die Menschen dachten nur an sich, ihr Urteilen war selbstbezogen, sie hatten ihre eigenen Ideen. Trifft das nicht auf heute genauso zu?

Zwei Welten begegnen sich

Ich kann mich noch sehr gut an einen Sabbat erinnern, an dem wir zum Gottesdienst gefahren sind. Unterwegs sagte mein Mann etwas, was mich verletzte. Ich war damit nicht einverstanden und sagte es ihm auch. Dann hat er auf meinen Einspruch reagiert und ich auf seinen. So ging es weiter, die Anschuldigungen wurden immer schlimmer, immer berechnender und immer verletzender, jeder Gedanke von uns rief Gefühle hervor, die weitere Gefühle auslösten: Das Ego schaltete und waltete. Meine Gedanken – und die meines Mannes – kreisten jeweils um uns selbst.

Auf dem Rücksitz hatten unsere zwei kleinen Töchter alles gesehen und gehört. Das waren die Kinder, die wir zu Jesusnachfolgerinnen erziehen wollten und denen wir auch gesagt hatten, dass es nicht Jesu Art sei zu streiten.

Schließlich fuhren wir auf den Parkplatz und machten unsere letzten Bemerkungen; dann stiegen wir aus dem Auto. Wir nahmen unsere beiden Töchter an die Hand und gingen in die Kapelle. Die erste Person, der wir begegneten, begrüßten wir mit einem breiten Lächeln: »Hallo, schön dich zu sehen! Ist das nicht ein herrlicher Sabbat heute?«

Echt ist das, was im Inneren ist

Was hatte an diesem Morgen wohl den größten Einfluss auf unseren Charakter? Was hinterließ bei unseren Töchtern den stärkeren Eindruck? Wie wir uns im Auto verhalten hatten oder wie wir uns nun in der Kirche gaben?

Unsere Religion, alle äußere Schau, aller Lebensstil ist wertlos, wenn unsere Gedanken sich nicht an Jesus orientieren. Keiner von uns hatte echten Frieden – den Frieden nämlich, der das Herz erfüllt und in den Augen zu sehen ist. Vielleicht nehmen wir diese Ausstrahlung gar nicht wahr, doch für andere ist sie sichtbar.

Wo hatte das Ego eigentlich angefangen, sich bemerkbar zu machen? – In meinen Gedanken und in den Gedanken meines Mannes. Jeder von uns hing ganz tief in seinem Inneren seinen eigenen Gedanken nach, und unsere Gefühle stimmten mit diesen Gedanken überein; zusammen bildeten sie unseren Charakter und spiegelten sich schließlich in den Worten wider, die wir einander an den Kopf warfen.

Es gibt Hoffnung

Doch es muss nicht so sein, es gibt Hoffnung! Der Mensch kann frei von der Knechtschaft egoistischer, falscher Gedanken werden, und zwar indem der Heilige Geist in seinem Geist, in seinen Gedanken wirkt. »Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen.« (Epheser 3,16) Was bedeutet dieser Vers?

Gott möchte unsere Gedanken beeinflussen und uns seine Gedanken schenken. Er möchte unseren Verstand durch seinen Heiligen Geist schärfen, damit wir seine Herrlichkeit empfangen: seinen Charakter. Dies kann aber nur geschehen, wenn wir unsere eigenen Gedanken loslassen und uns statt dessen mit seinen Gedanken beschäftigen.

Sind die anderen Schuld?

Ein Beispiel: Mein Mann schrieb einigen Freunden eine Dankeskarte. Sie hatten uns bei einem Arbeitseinsatz geholfen. Gewöhnlich schreibe ich die Dankeskarten. Doch er wollte es für mich tun, damit ich Zeit für andere Aufgaben im Haus hatte. Als er die Karte geschrieben hatte, gab er sie mir zu lesen. Die Kinder und ich sollten unterschreiben, dann brauchte sie nur noch in den Briefkasten geworfen zu werden.

Als er mir die Karte gab, hatte ich noch andere Dinge zu tun und wollte zuerst erledigen, was ich bereits angefangen hatte. Einige Zeit verging, und ich vergaß die Karte. Später kam mein Mann, um die Karte zu holen und abzuschicken. Ich sagte: »Oh, das hab ich ganz vergessen! Ich mache es sofort.« Aber ich konnte die Karte nicht finden.

Ich suchte auf meinem Schreibtisch zwischen den Blättern, die ich in der Hand hatte, im Sekretär, an dem ich vorher gewesen war, einfach überall, wo ich meinte, gewesen zu sein; ich sah sogar in meinen Taschen nach, doch ich konnte keine Karte finden.

Plötzlich durchfluteten mich sehr menschliche Gedanken: »Warum hat er mir die Karte nicht später gegeben? Er hat doch gesehen, wie beschäftigt ich war. Und für die Kinder hätte er doch auch selbst unterschreiben können.« Aber gerade als mein Ego [Paulus nennt es mein »Fleisch«] das Steuer übernehmen wollte, wie es seine Art ist, kam mir ein anderer Gedanke – der Heiligen Geist klopfte an mein Herz: »Keine Ausreden, gib Tom nicht die Schuld, übernimm selbst die Verantwortung!«

Neue Gedanken, neue Worte, neue Gefühle

Nun stand ich vor der Wahl. Hörte ich auf den Heiligen Geist oder auf mich selbst? Ich entschied mich für die heiligen Worte und sagte: »Schatz, es tut mir leid. Ich kann die Karte nirgends finden, ich hab überall nach ihr gesucht, sie ist wie vom Erdboden verschluckt! Ich schreibe selbst eine neue, bevor du zur Post gehst.«

Gleichzeitig tat es mir für ihn wirklich leid. Mir wurde bewusst, dass er sich 20 Minuten Zeit genommen hatte, um mir zu helfen, und ich hatte sie verschwendet. Die Gedanken und Gefühle, die ich ihm entgegenbrachte, machten es ihm leichter, die Versuchung zu überwinden sich aufzuregen.

Der Heilige Geist wirkte bei beiden von uns tief im Innern. Deshalb erlebten wir: Demut, Vergebung und Frieden. Natürlich haben uns unsere drei Kinder zugehört und beobachtet; waren wir wirklich echte, lebendige Jesusnachfolger?

Vom Gedanken bis zum Desaster

Vielleicht erscheint uns das alles unbedeutend. Doch genau auf diese Weise möchte Jesus durch seinen Geist uns tief im Inneren stärken. Zu oft lassen wir uns in solchen scheinbar unbedeutenden Situationen von unseren natürlichen, fleischlichen Gedanken beherrschen. Doch unsere Gefühle sprechen darauf an, und wir fühlen uns unglücklich und die anderen um uns ebenfalls.

Wir lassen diese Gedanken in uns zu und brüten sie aus. Unsere Gefühle verleiten uns zu Taten. Aber ihren Ursprung haben sie in diesen Gedanken. So kann schließlich eine Versuchung, die gar so klein zu sein schien, zu einem Desaster in unserem Leben führen.

Wenn wir den Heiligen Geist nicht in unser Innerstes hineinlassen, denken und glauben wir nur das, was wir für richtig halten, und Gott steht draußen vor der Tür. In dem bereits zitierten wertvollen christlichen Buch über Psychologie heißt es: »Gott führt seine Leute Schritt für Schritt. Er stellt uns gezielt in Situationen, die unsere Motive offenbaren. Manch einer siegt in der einen Situation, versagt aber in der nächsten. Bei jedem Schritt vorwärts wird unser Herz etwas eingehender geprüft. Wer erkennt, dass sein Herz sich gegen Gottes ehrliche Art wehrt, der sollte sich bewusst machen, dass er noch etwas zu überwinden hat. Andernfalls wird der HERR ihn schließlich zurückweisen müssen.« (Ellen White, Mind, Character and Personality 1, 347, 348) Warum? Weil unsere Gedanken und Gefühle zusammen den Charakter ausmachen. Sperren wir nämlich in unserem Innersten den Heiligen Geist aus, so erhalten wir immer mehr den gegenteiligen Charakter.

Frei von Ärger und Zorn

Noch etwas fällt mir nicht leicht: Wenn man mich in meinen Worten, Taten und Absichten missversteht oder sie verdreht. Manchmal wollen wir nur das Beste für den andern, doch er fasst dies falsch auf. Beharrt er nun auf seiner Sicht, dann kann dies Ärger und Zorn auslösen. In solchen Situationen bete ich, dass meine Gedanken rein bleiben und Gott auch im Innersten des anderen wirkt.

Was für eine Ermutigung ist es, darauf vertrauen zu dürfen, dass Gottes Kraft meine Gedanken und Gefühle in meinem Innersten verändern kann! Er hilft mir nicht nur, das Richtige im richtigen Tonfall zu sagen, sondern ganz tief in meinem Inneren böse Gedanken und Gefühlen zu vertreiben. Was für ein Segen! Gottes Kraft wirkt auch an den Gedanken und Gefühlen des anderen, um sie zu ändern. Wenn alle Beteiligten Gott wirken lassen, dann erleben wir Versöhnung.

Was aber, wenn der andere nicht von seinen Gedanken und Meinungen lassen will, obwohl ich superfreundlich, lieb und ehrlich bin? Vielleicht wird er sogar noch wütender? Er ist fest davon überzeugt, dass er Recht hat und lässt sich nicht beirren. »Denn wie er in seiner Seele berechnend denkt, so ist er.« (Sprüche 23,7 Schlachter) Wir werden schließlich so, wie wir denken.

Selbstanalyse

Halten wir fest an falschen Gedanken und Gefühlen? Empfinden wir Bitterkeit, Hass, Ärger gegenüber jemand? Oder meiden wir jemand, der nicht so denkt wie wir? Sind wir Frauen sauer auf unsere Männer wegen ihrem Verhalten? Denken die Männer schlecht über ihre Frauen, weil sie nicht so auf ihre Bedürfnisse eingehen, wie sie es sich wünschen? Grollen die Kinder ihren Eltern? Sind unsere Gedanken rein? Oder täuschen wir uns und denken, man könne seiner Fantasie freien Lauf lassen und seine Leidenschaften im Kopf ausleben, ohne dass es jemand merkt? Fühlen wir uns niedergeschlagen?

Fünf Schritte zur Freiheit

Woran erkenne ich, ob mein Denken schlecht ist? Am einfachsten, indem ich mich frage: »Was bewirken meine Gedanken? Und welche Gefühle lösen sie aus?

Sobald ich einen falschen Gedanken oder ein falsches Gefühl erkenne, kann ich sofort den HERRN bitten, es mir wegzunehmen, damit ich inneren Frieden bekomme.

Dann entscheide ich mich, dem Gedanken die Tür zu weisen, und der HERR wird mir dafür andere Gedanken geben, denen ich nachgehen kann (Philipper 4,8).

Entschließen wir uns jedoch, an unseren eigenen Gedanken festzuhalten, dann werden sie uns verzehren und wir werden zu dem, was wir denken. »Es ist ein Gesetz der geistigen und geistlichen Natur, dass wir durch beharrliches Verhalten verändert werden. [Steter Tropfen höhlt den Stein.] Der Verstand passt sich allmählich dem an, worüber er nachdenkt. Er gleicht sich an das an, was er zu lieben und achten gewohnt ist.« (Mind, Character and Personality, 331).

Ich ignoriere meine Gefühle, entscheide mich für die richtigen Gedanken, gehe voran und verrichte die Aufgabe, die Gott mir gegeben hat. Statt im Selbstmitleid zu baden, stehen ich auf und gehe – wie der Mann vom Teich Bethesda. Dann wird Gott mich von innen heraus verändern. Der Heilige Geist gibt mir durch seine Gedanken innere Kraft. Ich finde echten Frieden und wahre Ruhe, was um mich herum auch geschieht.

Dazu ist es jedoch nötig, dass ich auf göttliche Macht vertraue, die mir von außen Kraft schenkt. Wenn meine Gedanken und Gefühle mich zu Selbstmitleid und Selbstrechtfertigung bewegen wollen, verlasse ich mich ganz auf Jesus.

Eine heranreifende Frucht

Manch einer meint, dass unsere Gedanken, geheimen Leidenschaften und Wünsche anderen verborgen bleiben und keinen Schaden anrichten. Doch eines Tages werden sie sich offenbaren, wenn sie nicht tief im Inneren besiegt werden. »Die Krise, in der man die Beherrschung verliert und große Fehler begeht, ruft das Böse, das da zu Tage kommt, nicht etwa hervor. Sie offenbart nur die Frucht, die im Herzen schon verborgen heranreifte.« (Ellen White, Thoughts from the Mount of Blessing, 60)

Beinahe der Star der Schule

Ich kann mich noch gut an ein Erlebnis erinnern, das ich mit bitteren Gefühlen hatte. Auf der Highschool, die ich besuchte, gab es jedes Jahr zwei besondere Feste, eines im Herbst und eines im Frühling. Jedes Mal wurden von den Lehrern zwei Schüler, ein Junge und ein Mädchen, bestimmt, die als Schulkönig bzw. Schulkönigin geehrt wurden. Um diese Auszeichnung zu empfangen, reichte höfliches Verhalten allein nicht. Auch gute Noten, regelmäßiger Schulbesuch, Hilfsbereitschaft, gutes Auskommen man mit den Mitschülern und den Lehrern spielten eine Rolle. Als ich in der Abschlussklasse war und das erste Fest bereits vorbei war, teilte mir eine Lehrerin mit, dass ich beinahe zur »Schulkönigin« gekürt worden sei. Allerdings nur beinahe. Man habe sich aber entschieden, das beim Frühlingsfest nachzuholen. Hätte sie mir das nicht gesagt, hätte die Gefahr der Enttäuschung nie bestanden.

Der Tag nahte und man kann sich denken, welche Gedanken mir durch den Kopf gingen. Ich hatte mich darauf eingestellt Schulkönigin zu werden und meine Fantasie war quicklebendig. Ich ließ mir ein neues Kleid aus blauer Seide extra für den Anlass anfertigen und machte mir eine besondere Frisur.

Dann kam der Augenblick; ich saß schon ganz unruhig auf der Stuhlkante, die beiden Namen wurden bekanntgegeben, doch ich konnte meinen Namen nicht hören – bestürzt fragte ich eine Tischnachbarin, wessen Name aufgerufen worden war. Ich war es nicht! Eine Welt brach zusammen. Ich war verletzt, enttäuscht und schockiert. Ich ging zu der Lehrerin, die mir Monate zuvor gesagt hatte, man hätte mich bereits ausgesucht, und stellte sie zur Rede. Sie sagte mir, dass man eine andere Schülerin ausgewählt habe, weil ich bereits so viele Male in diesem Jahr in wichtigen Rollen in Erscheinung getreten war. Sicher könne ich das verstehen. Ich konnte es aber nicht; schließlich hatte man doch mich ausgesucht, das war nicht fair! Der Platz fehlt, um tatsächlich alles aufzuschreiben, was in mir geschah; aber die Verletzung schlug in Wut, Groll und Bitterkeit um.

Mir war klar: Diese Gefühle waren nicht richtig; doch ich versuchte, sie zu unterdrücken und zu vergessen. Natürlich ging ich nicht in der ganzen Schule umher, um mich bei jedem zu beklagen, wie ungerecht man mich behandelt hatte. Niemand erfuhr etwas davon, bis auf ein paar gute Freunde. Aber ich fühlte keinen Frieden in meinem Herzen dieser Frau gegenüber. Äußerlich habe ich sie stets freundlich behandelt, aber ich hätte ihr sicher keinen Gefallen getan.

Zehn Jahre später

In den Jahren nach meinem Schulabschluss hatte ich nie wieder darüber nachgedacht. Aber eines Tages – mehr als zehn Jahre, nachdem ich die Schule beendet hatte – kam ein anderer Lehrer und besuchte uns. Wir tauschten Erinnerungen aus und dabei erwähnte er plötzlich den Namen der Lehrerin, die mich damals so verletzt hatte. Sofort waren all die Gefühle der Vergangenheit – Verletzung, Wut und Bitterkeit – wieder da. Es war, als wenn es gestern gewesen wäre. Ich empfand genauso wie vor mehr als zehn Jahren. Ich saß einfach nur da und war schockiert. Hatten sich all diese alten Gefühle und Gedanken tatsächlich über die Jahre hinweg halten können? Ich hatte gemeint, ich sei bereits darüber hinweg, hatte ich sie doch unterdrückt!

Im Stillen betete ich zum HERRN und sagte: »Vater, ich möchte diese Gedanken und Gefühle nicht mehr. Ich möchte von dieser Knechtschaft frei werden.« Dann endlich hatte ich Frieden. Es war ganz einfach. Sofort verschwanden all diese Gedanken und Gefühle und kamen nie wieder. Wohl dachte ich manchmal an dieses Erlebnis zurück, aber ohne, dass sich die alten Gefühle meiner bemächtigten. Jetzt kann ich über diese Frau ohne bittere und feindliche Gefühle reden. Ich kann sie lieb haben, und es gibt nichts in meinen Herzen, was mich von ihr trennt. »Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.« (Sprüche 4,23)

Es reicht nicht, ein Lächeln aufzusetzen und schöne Worte zu reden. Damit kann man vielleicht einen guten Eindruck erwecken, doch Gott will uns von unserem egoistischen Denken und von unserer Rechthaberei befreien. Ganz in sein selbstloses Bild möchte er uns verwandeln. Wenn dann die täglichen Krisen und Versuchungen auf uns zukommen – und sie kommen bestimmt – lädt er uns ein, unsere Gedanken ganz auf ihn zu richten, damit wir wie Josua sagen: »Ich bin dein Diener! Was befiehlst du mir HERR?« (Josua 5,14 Gute Nachricht) Dann wird er uns in unserem Innersten stark machen.

http://www.restoration-international.org/site/1/docs/the_inner_man.pdf

Sprachlich überarbeitet. Zuerst erschienen in Unser festes Fundament, 2-1997

 


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