Montag, 05 Oktober 2020 – 08:27 Uhr

Suchtbefreiung statt Suchtmanagement: Designer-Heilmittel oder Heilmittel vom kosmischen Designer?

Designer-Heilmittel oder Heilmittel vom kosmischen Designer?

Adobe Stock - freshidea

»Hallo, ich heiße Ron und bin drogensüchtig.« Von Ron Woolsey

Als ich dies sagte, saß ich in einem geschlossenen Gesprächskreis für Drogensüchtige, obwohl ich kein Abhängiger war. Genauso wenig war ich zu jener Zeit Christ. Nun, ich fühlte mich zu dieser Lüge gezwungen, um meinen Freund, einen Drogensüchtigen, begleiten zu können. Nicht lange nach dieser Vorstellungsrunde wurde mir klar: Wenn ich hier, so wie empfohlen, jede Woche herkomme und immer wieder sage: »Ich bin drogensüchtig«, dann werde ich es noch. Negative Verstärkung ist nicht zu unterschätzen.

Bei einer anderen Gelegenheit, ich besuchte einen Gottesdienst in einer bestimmten Kirche, führte man mich in eine Gruppe, die sich als Therapie- und Seelsorgekreis entpuppte. Nachdem ich all die Geschichten über fortwährende Kämpfe, regelmäßige Rückfälle, über Verzweiflung und die vielen Jahre hörte, die der »Heilungsprozess« schon dauerte, fand ich das alles so deprimierend, dass ich mir schwor, diese Gruppe nie mehr aufzusuchen.

Jahre später nahm ich an der Suchtkonferenz einer sehr bedeutenden Universität teil. Denn ich erkannte, dass meine inzwischen überwundene Vergangenheit wirklich eine Sucht gewesen war. Dort gab es eine Reihe von Ausstellungsständen, die für »Designer-Heilmittel« warben, jedes davon war auf eine bestimmte Sucht zugeschnitten. Lange Erfahrungsberichte zeugten von fortgesetztem Ringen, Höhen und Tiefen, Erfolgen und Rückschlägen und vielen Jahren »Heilungsprozess«. Wieder verließ ich die Veranstaltung frühzeitig aufgrund der bedrückenden Atmosphäre.

»Wo war der Sieg?«, fragte ich mich. »Wo war die Heilung bei diesen ganzen ›Designer-Heilmitteln‹? War dies das Beste, was man erwarten konnte – das eigene Verhalten einigermaßen im Griff zu haben, ohne zu einem neuen Leben befreit zu sein?«

Begegnung mit dem Tod

Als ich in meinen jungen Jahren einen Blinddarmdurchbruch hatte, wäre ich beinahe gestorben. Eilig wurde ich in die Notaufnahme gebracht und sofort operiert. Danach wachte ich auf einer Station wieder auf, wo die OP-Patienten lagen. Von dort kam ich schließlich noch ein paar Tage auf die normale Station und konnte danach das Krankenhaus verlassen, um daheim völlig zu genesen. Am Ende war der Heilungsprozess abgeschlossen, ich war gesund und durfte wieder zur Arbeit gehen.

Was will ich damit sagen? So wichtig der Heilungsprozess auch ist, wenn ich mich nach so vielen Jahren immer noch in ihm befände, wäre ich doch auch immer noch krank. Dürfte ich mich dann als geheilt oder gesund betrachten? Könnte ich anderen wirksam dienen, weil ich wieder im Besitz völliger Gesundheit bin? Oder bräuchte ich als Patient immer noch ständig Pflege durch andere Menschen?

Dieser andauernde »Heilungsprozess« scheint das Thema des Apostels Paulus in Römer 7 gewesen zu sein.

Andauernder Heilungsprozess?

7,15 … denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das übe ich aus.
7,18 … das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht.
7,19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich.
7,23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
7,24 Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?

Paulus antwortet:

7,25 Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! …

Oder völlige Heilung?

8,1 So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.
8,2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. (Der Sünde Sold ist der Tod … Römer 6,23)
8,4 Damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.
8,6 Denn das Trachten des Fleisches ist Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Frieden.
8,9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt.

Einmal süchtig, immer süchtig?

Oben erwähnte ich die »Designer-Heilmittel«. Das ist meine Wortschöpfung für besondere Programme, mit denen Sünde oder Suchtverhalten geheilt werden sollen, indem man sich ausschließlich auf das Problem konzentriert. In so einem Programm wird die Sünde oder Sucht jedoch für Menschen wie mich zu einem fast unüberwindlichen Berg, mit dem alle in der Gruppe, alle im Verein, alle im Programm kämpfen, ohne ihn zu besiegen. Das Höchste, was man erreichen kann, ist das eigene Verhalten zu unterdrücken oder in den Griff zu bekommen. Dazu sind aber wöchentliche Gruppensitzungen nötig, ein Mentor sowie eine höhere Macht, die man sich selbst aussuchen kann. Denn: »Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker.« »Einmal süchtig, immer süchtig.« »Einmal schwul, immer schwul«.

Die Lehre »Einmal gerettet, immer gerettet« lehnen wir aber als unbiblisch ab. Daher schlage ich vor, dass auch »Einmal süchtig, immer süchtig« unbiblisch ist, denn es steht im direkten Widerspruch zur Heiligen Schrift, die da sagt: »Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!« (2. Korinther 5,17)

Eine Lösung für alle Probleme!

In andern Worten: Die Neugeburt besteht darin, dass wir neue Motive, neue Vorlieben, neue Neigungen erhalten. Eine echte Bekehrung ändert erbliche und erworbene böse Neigungen. Auf Gottes Wort gestützt, behaupte ich, dass wir den Prozess des Überwindens von »speziellen Sünden« verwischen und verkomplizieren. Warum müssen wir zahlreiche »Designer-Heilmittel« für die unzähligen Sündenprobleme erfinden? Wenden wir stattdessen lieber »das Heilmittel des Designers« selbst an, das Heilmittel für alle Sündenprobleme. Denn für alles, was Gott in der Bibel Gräuel nennt, hat er auch das Heilmittel.

Wäre er sonst nicht ohnmächtig statt allmächtig?

Einsicht – der Schlüssel zu den Verheißungen

Gott rät uns: »Doch du musst deine Schuld einsehen … [und] Ich will eure Untreue heilen.« (Jeremia 3,13.22 NEÜ) Erst als ich verstand und einsah, dass ich es in meinem entwürdigenden und selbstzerstörerischen Leben mit »Schuld«, mit einem Sündenproblem zu tun hatte, konnte ich mich auf »die überaus großen und kostbaren Verheißungen« Gottes berufen, meinen Süchten den Rücken kehren und mit Jesus ein neues Leben führen (2. Petrus 1,4). Gottes einziges Heilmittel für Sünde wirkt bei allen Sündenproblemen.

Wer glaubt, dass Jesus ihn persönlich von Sünde befreien kann, der gehört zu den Auserwählten Gottes, zu seinem besonderen Schatz. Er wird seine Einladung annehmen und die Welt hinter sich lassen. Er wird sich von jedem unreinen Gedanken und jeder unheiligen Handlung trennen (2. Korinther 5,17).

»Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.« (Johannes 8,36)

Aus Rundbrief von The Narrow Way Ministry, 6. April 2004.
www.victorjadamson.com
www.thenarrowwayministry.com
Seit 2010 Teil von comingoutministries.org


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