Montag, 16 Dezember 2019 – 09:10 Uhr

Für alle, die kämpfen: »Und führe uns nicht in Versuchung!«

»Und führe uns nicht in Versuchung!«

Pixabay - Steve Buissinne

Soll das ernst gemeint sein? Von Kai Mester

»Und führe uns nicht in Versuchung.« (Lukas 11,4) So betete uns Jesus vor! Viele haben es ihm nachgebetet und verzweifeln, weil sich ihre Situation nicht ändert und sie in der Versuchung immer wieder fallen, vielleicht gar nicht mehr aufstehen. Erhört Gott ihr Gebet nicht? Macht er sich über sie lustig? Oder liegt ein Missverständnis vor?

Die Apostel erklären, dass Gott nicht unbedingt vor Versuchung bewahren, aber immer aus der Versuchung retten will, und zwar durch Jesus. Deshalb hat er ihn uns gesandt.

Vielleicht kann dieser Artikel ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Was hat Jesus gemeint, als er zum Vater betet: »Und führe uns nicht in Versuchung!«

Egal mit welcher Versuchung du kämpfst, die folgenden Ausführungen könnten sehr interessant für dich sein.

»So weiß der HERR die Gottesfürchtigen aus der Versuchung zu erretten.« (2. Petrus 2,9) »Denn wir haben [in Jesus] nicht einen Hohen Priester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde … Denn da er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.« (Hebräer 4,15; 2,18)

Unglaublich! Dann heißt das, ich muss gar nicht darauf warten, dass die Versuchung verschwindet?

Sich über Feuer freuen?

Nun, wir werden seltsamerweise sogar ermutigt, uns über die Versuchung zu freuen: »Lasst euch durch das Feuer nicht befremden, das euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Fremdes, sondern freut euch, dass ihr mit dem Gesalbten leidet, damit ihr auch durch die Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt.« (1. Petrus 4,13)

Leiden und sich gleichzeitig freuen? Das klingt im ersten Moment befremdend. Denkt man tiefer darüber nach, dann erkennt man: Es ist eine gute Nachricht, dass das Feuer der Versuchung mich nicht verzehren kann. Es hat seine Macht verloren!

»Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt.« (1. Korinther 10,13)

»Hmm!«, sagst du vielleicht, »das leuchtet ein. Aber Jesu Gebet ›Führe uns nicht in Versuchung!‹ verstehe ich dann immer noch nicht! Und außerdem habe ich den Eindruck, dass die Versuchung oft über meine Kraft geht.«

Der Unterschied zwischen Begierde und Begehren

Was sagt die Bibel denn noch über Versuchung? Auch der Apostel Jakobus beschreibt die Natur der Versuchung so, als könnten wir ihr gar nicht völlig entrinnen:

»Jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.« (Jakobus 1,14-15)

Okay … Es scheint also einen Unterschied zu geben zwischen Begierde (Versuchung) und dem Begehren, das entsteht, wenn die Begierde »empfangen hat« (Sünde/10. Gebot). Interessant!

Gäbe es keine Versuchung, gäbe es ja auch keine Sünde. Jesus ist also nicht gekommen, um uns von der Versuchung zu befreien, von unserem sündigen Fleisch oder der sündigen Welt, sondern von der Sünde (Matthäus 1,21). Er tat dies, indem er der Versuchung widerstand und das Böse überwand. Von dem Rest werden wir erst bei seinem zweiten Kommen befreit.

Aber schon bei seinem ersten Kommen hat Jesus die unauflösliche Verbindung zwischen Versuchung und Sünde, zwischen Begierde und Begehren tatsächlich zerbrochen. »Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, in uns erfüllt werde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.« (Römer 8,3.4)

Jetzt darf ich also glauben, dass Gott stärker ist als meine Begierde. Sie wurde schon vor 2000 Jahren mit Jesus gekreuzigt, da brauche ich sie mir nicht mehr zu Eigen zu machen. Ich darf sie als »besiegt« auf die hinteren Plätze zurückweisen. Sie darf sich in meinem Denken keine Akzeptanz erobern, auch nicht eine Sekunde lang. Dann wird sie auch keinen Weg in Worte oder Taten finden. Sie mag mich zuweilen quälen, dann leide ich, aber freue mich auch, dass das schon alles ist, was die Begierde vermag. Mehr nicht!

Um Jesu Worte »Führe uns nicht in Versuchung!« aber nun wirklich besser zu verstehen, lesen wir sie mal beim Apostel Matthäus: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.« (Matthäus 6,13) Aha! In Versuchung führen ist hier das Gegenteil von der Erlösung vom Bösen. Wir bitten also um Bewahrung vor der Versuchung, damit wir vom Bösen erlöst werden.

Wie Lämmer unter die Wölfe

Das heißt ja nun nicht, dass wir gar keinen Kontakt mit der Versuchung und dem Bösen mehr hätten. Wie sollten wir sonst unsere Feinde lieben? Jesus, unser Vorbeter, hat uns doch gesagt: »Ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.« (Lukas 10,3) Werden wir da nicht direkt mitten in die Versuchung hineingeschickt?

Aber wer in der Versuchung standhaft ist, erlebt ja schon Erlösung vom Bösen und Bewahrung vor Versuchung: »Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.« (Epheser 6,13)

Wer das Böse mit dem Guten konfrontiert, kann oft das Böse ersetzen, die Versuchung vertreiben. »Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.« (Römer 12,21)

Das ist auch kein Widerspruch zu der Warnung: »Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.« (Markus 14,38) »Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.« (Galater 6,1) Denn warum sollten wir uns absichtlich in Versuchung begeben.

»Wer betet: ›Führe uns nicht in Versuchung‹, sollte auch der Versuchung so weit wie möglich aus dem Weg gehen.« (Signs of the Times, 13.01.1881, Abs. 20) Er sollte nicht nach ihr suchen. Wir suchen den Sünder, um ihn zu retten, nicht die Sünde! Deshalb begegnen wir dem Bösen.

»Erbarmt euch derer, die zweifeln; andere reißt aus dem Feuer und rettet sie; anderer erbarmt euch in Furcht, und hasst auch das Gewand, das befleckt ist vom Fleisch.« (Judas 1,22.23) Auf der Hut sein, um nicht selbst zu Fall zu kommen, und Frühwarnsignale erkennen, sind zwei wichtige Regeln für jeden im Rettungsdienst.

Des Rätsels Lösung

Was bedeutet Jesu Gebet »Und führe uns nicht in Versuchung!« also nun genau?

Folgende Erklärung hat mir besonders geholfen:

»›Führe uns nicht in Versuchung!‹, das heißt: ›HERR, lass uns nicht überwunden werden, wenn uns die Versuchung ereilt.‹ Wacht und betet, damit ihr euch nicht in Versuchung begebt. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Versuchtwerden und Sich-in-Versuchung-Begeben.« (Manuscript Releases 8, 308) »Am besten man hält sich von der Versuchung so weit wie möglich fern. Ist es angebracht zu beten: ›Führe uns nicht in Versuchung!‹ und sich dann mit offenen Augen direkt in die Versuchung hinein zu begeben?« (Brief 9, 1867.5) »›Führe uns nicht in Versuchung!‹ Das heißt: Bewahre uns davor, uns in Versuchung zu begeben. Der Apostel Jakobus erklärt: ›Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde.‹ (Jakobus 1,13)« (Brief 13, 1900.7)

Es macht also keinen Sinn Gott zu bitten, uns nicht in Versuchung zu bringen. Erstens tut er das sowieso nicht und zweitens würden trotz eines solchen Gebets die Versuchungen nicht verschwinden.

»Führe uns nicht in Versuchung« meint vielmehr: Hilf mir Versuchung zu vermeiden und in ihr standhaft zu bleiben, wenn sie mich überrascht! Hilf mir aus ihr zu fliehen, wenn ich merke, dass sie mich in Gefahr bringt! Hilf mir, mich nur so lange der Versuchung auszusetzen, wie es unbedingt nötig ist, um meinen Auftrag zu erfüllen! Mach mich stark, Versuchung ertragen zu können! Nimm der Versuchung ihren Reiz und ihre Macht, indem du mich stärker an dich bindest!

Wer dieses Gebet immer wieder spricht und danach lebt, wird in sich eine Begierde feststellen, »so rein wie Jesus gemacht und völlig erneuert zu werden. Er wird danach hungern und dürsten, wie der zu werden, den er liebt.« (Steps to Christ, 89) »Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.« (Johannes 15,6) Warum? Weil dann unsere Wünsche und Sehnsüchte identisch geworden sind mit denen des Messias.


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