• Jüdisches Zeugnis an die Welt: Ein Dorn im Auge

    Ein Dorn im Auge

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    Oder: Die völlige Infragestellung des üblichen Wertekatalogs. Von Richard Elofer

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Freitag, 28 Oktober 2016 – 09:36 Uhr

Israels Rolle in der Heilsgeschichte Das Geheimnis um Israel

Das Geheimnis um Israel

Bild: Henry Stober

Rezension zu dem gleichnamigen Buch des jüdischen Adventisten Jacques B. Doukhan. Von Kai Mester
 

Wurde Israel von Gott verworfen? Hat die christliche Kirche Israels Nachfolge angetreten (Ersatztheologie)? Gibt es zwei Heilswege (Dispensationalismus)? Was ist Israel heute? Warum spielt der kleine jüdische Teil der Weltbevölkerung heute eine so große Rolle? Diesen Fragen geht der adventistische Theologe und Jude Jacques Doukhan in seinem Buch The Mystery of Israel nach.

Die Ersatztheologie

Im ersten Kapitel widerlegt er die katholische Ersatztheologie. Sie behauptet, dass das Neue Testament das Alte, der Sonntag den Sabbat und die christliche Kirche das Volk Israel abgelöst habe. Diese Lehre wird auch von Historikern als mitschuldig am Holocaust angesehen. Doukhan untersucht verschiedene Texte, auf die sich die Ersatztheologie beruft (1. Samuel 8,7; Hosea 1,9; Matthäus 21,33-46; 27,20 u. a.), und erklärt sie im unmittelbaren Zusammenhang und im Licht anderer Bibeltexte. Danach geht er intensiv auf Römer 11 ein, wo Paulus deutlich gegen die Ersatztheologie Stellung bezieht. Schließlich beleuchtet er noch ausführlich die 70-Jahr-Prophezeiung.

Der Dispensationalismus

Im zweiten Kapitel seines Buches widerlegt Doukhan den Dispensationalismus, der Christen- und Judentum scharf voneinander trennt. Dabei beruft er sich auf Epheser 2,12-15 und Galater 3,28.29. Die Dispensationalisten verschieben die letzte der 70 Jahrwochen in die Endzeit als siebenjährige Trübsal mit einem zukünftigen Antichristen als Weltherrscher. Doukhan zeigt, wie diese Auslegung dem biblischen Text Gewalt antut. Dann geht er auf die Texte ein, die von einer Rückkehr Israels aus dem Exil sprechen. Sie haben sich seiner Erklärung nach größtenteils schon vor Jesu erstem Kommen erfüllt. Die Lehre vom Wiederaufbau des Tempels in dieser sündigen Welt hält er für gefährlich und unbiblisch. Insgesamt verwirft Doukhan den Dispensationalismus als antisemitische Apartheidstheorie, denn die Verheißungen der Bibel gelten Juden und Christen gleichermaßen.

Es gibt nur ein Israel in Gottes Augen

Mit Kapitel drei beginnt die zweite Hälfte des Buches. Hier nun stellt der Autor sein Verständnis von der Rolle Israels vor. Israel und die Gemeinde sind für ihn nicht zwei aufeinander folgende oder parallel nebeneinander existierende Gottesvölker, sondern ein Volk. Die frühe christliche Gemeinde war jüdisch. Jesus, die Jünger und die ersten Missionare waren Juden. Der größte Teil des jüdischen Volkes nahm Jesus mit Freuden auf, auch nach Pfingsten nahmen sehr viele Juden das Evangelium an. Aufgrund neuerer Forschung sei es sogar wahrscheinlich, dass das nichtchristliche Judentum dadurch in seiner Existenz bedroht war.

Wie kam es aber dazu, dass das Judentum schließlich von Jesus Abstand nahm? Weil die Mehrheit der Christen das Gesetz und den Sabbat abzulehnen begann, wurde es den Juden zusehends unmöglich, Jesus als Messias anzunehmen. Das Christentum entwickelte antisemitische Züge. So fehlt heute der christlichen Kirche das Gesetz und dem Judentum fehlt sein Messias. Die gegenwärtige Teilung Israels in Christen- und Judentum sei nie Gottes Wille gewesen.

Der Auftrag der Siebenten-Tags-Adventisten

In Kapitel vier zeigt Jacques Doukhan, dass auf der Grundlage von Offenbarung 14,12 und Maleachi 3,24 die Siebenten-Tags-Adventisten den Auftrag haben, nicht nur Gesetz und Evangelium zu verbinden, sondern auch die Herzen der Väter (Judentum) zu den Herzen der Kinder (Christentum) zu bekehren und umgekehrt. Die Tragweite dieser prophetischen Aufgabe sei wahrscheinlich kaum einem Adventisten bewusst. Wenn wir diesen Auftrag erfüllen wollen, müsse uns Gott die Angst davor nehmen, bei anderen als jüdisch oder judaisierend zu gelten. Dazu bräuchten wir auch ein Feingefühl und ein Verständnis, das uns vor den antisemitischen Ansichten bewahrt, die immer wieder zum Vorschein kommen, wenn wir abschätzig über das Judentum sprechen und uns als auserwähltes Volk im Gegensatz zu Israel betrachten. Solange wir uns in diesem Punkt nicht ändern, wird es nur ganz selten vorkommen, dass ein Jude durch uns seinen Messias findet.

Die vier Gesichter Israels

In seinem letzten Kapitel zeigt Doukhan, dass Israel viele Gesichter hat: Erstens das biblische Israel als Nachkommen Jakobs, in das aber immer wieder Ausländer einheirateten oder aufgenommen wurden. Es war also nie eine Rasse im nationalsozialistischen Sinne. Zweitens das jüdische Israel der Juden, die sich nach dem babylonischen Exil und nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer nicht mehr in Israel ansiedelten, die Aschkenasim in Ost- und Westeuropa sowie die Sephardim um das Mittelmeer herum. Auch diesem Israel schlossen sich immer wieder Nichtjuden durch Heirat und Konversion an. Dieses Israel hat überlebt als Bewahrer von Gottes Gesetz, als Hüter der hebräischen Sprache, Liturgie und vieler Traditionen des biblischen Israels. Ein Teil dieses Israels wohnt heute in dem wiedererstandenen politischen Staat Israel. Doch auch diese Nation besteht aus Juden vieler Völker: europäische, arabische, indische, äthiopische, chinesische und andere Juden. Drittens das christliche Israel, das das jüdische Israel eigentlich der Welt erst richtig bekannt gemacht hat, auch wenn es das Gesetz verwarf. Das christliche Israel besteht aus allen Völkern und Sprachen, doch dazu gehören fast keine Juden, weil diese vom christlichen Israel meist abgelehnt werden. Viertens das endzeitliche Israel. Hierunter versteht Doukhan jene Christen, die sich vom traditionellen Christentum gelöst haben, sich wieder der Thora zuwenden und somit Gesetz und Messias vereinen. Dieses Israel ist offen für Christen und Juden und soll die Welt auf das kommende Reich Gottes vorbereiten. Alle diese Israeliten sind leibliche Israeliten, auch wenn sie es durch geistlichen oder kulturellen Anschluss geworden sind. Sie alle dürfen aber auch geistliche Israeliten werden, wenn sie sich von Gottes Geist erfüllen lassen.

Israel und Ellen White

Als Anhang fügt Doukhan noch einige Seiten an, in denen er Ellen Whites Aussagen über das Judentum untersucht, die von manchen antisemitisch verstanden werden. Er zeigt, dass Ellen White in solchen Fällen oft von der jüdischen Führung zur Zeit Jesu spricht. Ihre Aussagen können nur im Licht ihres gesamten Zeugnisses zu diesem Thema verstanden werden.

Das Buch ist 2004 in englischer Sprache beim Review and Herald Verlag unter dem Titel The Mystery of Israel und 2007 beim Advent-Verlag unter dem Titel Israels Rolle in der Heilsgeschichte erschienen.

Zuerst im Deutschen erschienen in Fundament für ein befreites Leben, 3-2007


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