• Adventisten heute, gelesen im August 2019 (Teil 5): Quo vadimus? Thema Homosexualität

    Quo vadimus? Thema Homosexualität

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    Wohin steuern wir als Gemeinde in Deutschland? Von Kai Mester

Freitag, 30 August 2019 – 08:54 Uhr

Adventisten heute, gelesen im August 2019 (Teil 1): Quo vadimus? Thema Theologie

Quo vadimus? Thema Theologie

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Wohin steuern wir als Gemeinde in Deutschland? Von Kai Mester

Mit großem Interesse lese ich immer die Zeitschrift adventisten heute. Denn ich bin Adventist, und außerdem bin ich – wie ich mir jüngst mit 49 Jahren zum ersten Mal eingestand – tatsächlich tief in meiner Seele auch deutsch.

Ich bin beim Lesen der Zeitschrift deshalb so aufmerksam, weil ich mich frage: Quo vadimus? Wohin gehen wir Adventisten in Deutschland?

Die August-Ausgabe inspirierte mich zum Schreiben. Hier das erste von fünf Zitaten, die mich besonders zum Nachdenken brachten:

Theologie der Letzten Generation

»Ellen White hat niemals beansprucht, dass sie eine professionelle Theologin sei und theologische Fragen auf der Grundlage ihrer Schriften entschieden werden sollten. Wir sollten außerdem beachten, dass Ellen White – wie wir alle – in ihrem Denken Entwicklungen durchlief. Darüber hinaus ist es wichtig, stets auf den Kontext zu achten und wann, wo und an wen sie ihre Aussage gerichtet hat … Christus … ist unser Erlöser – das ist alles, was wir wissen müssen. Das Ziel sündloser Vollkommenheit liegt außerhalb unserer Reichweite. Wir haben jedoch das Versprechen, dass wir als vollkommene Wesen auferweckt oder verwandelt werden, wenn Christus wiederkommt.« (Reinder Bruinsma auf Seite 13)

So der Artikel über eine Theologie, deren Vertreter sich stark auf Ellen Whites Aussagen abstützen und die daher das Thema Sündenüberwindung besonders betonen. Die Theologie der Letzten Generation besagt, dass es vor Jesu Wiederkunft eine große Menschengruppe geben wird, die Gottes Wesen in einer Weise widerspiegeln werden, dass die Gute Nachricht jeden Winkel der Erde erreicht, weil Gottes Verheißungen sich dadurch bewahrheiten.

Es stimmt: Man kann Ellen White für seine eigenen Zwecke instrumentalisieren. Meine Erfahrung ist jedoch, dass sie mir – auch und gerade theologisch – weitaus mehr geholfen als geschadet hat, und das vor allem, wo mir die Bibel schwer verständlich und verdaulich war.

Sollen wir nun wirklich, wie das Zitat nahelegt, den Aussagen der professionellen Theologen mehr Vertrauen schenken als den inspirierten Schriften Ellen Whites? Die Geschichte lehrt uns, wie gefährlich es ist, professionellen Theologen zu vertrauen. In früheren Jahren haben adventistische Prediger noch oft von der Kanzel die Zuhörer ermutigt, ihre Aussagen kritisch zu hinterfragen und anhand der Bibel zu prüfen. Wo ist unser selbstkritischer Geist? Wohin steuern wir als Adventgemeinde, wenn wir die Auslegungsautorität an die Theologen abgeben? Sogar Ellen White ermutigte ihre Leser, ihre Aussagen an der Bibel zu prüfen. Ja selbst der Evangelist Lukas lobte die Beröer; denn sie »forschten täglich in der Schrift, ob sich's [tatsächlich] so verhielte«, wie es der Apostel Paulus ihnen predigte (Apostelgeschichte 17,11).

Zum zweiten Teil des Zitats drängte sich mir die Frage auf: Wie viel Kraft entfaltet denn das Evangelium in unserem Leben? Fordert Jesus uns zu etwas auf, was außerhalb unserer Reichweite liegt, wenn er sagt: »Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist« (Matthäus 5,48), und »sündige hinfort nicht mehr« (Johannes 8,11)? Natürlich wissen wir, dass dies kein Mensch zu tun vermag. Doch »ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus« (Philipper 4,13), und: »Wie sollte er uns mit ihm [seinem eigenen Sohn] nicht alles schenken«, was wir zum Überwinden brauchen (Römer 8,28)?

Die Menschen suchen hier und jetzt nach Freiheit, nicht erst irgendwann in der Zukunft. Glauben wir noch wie viele Adventpioniere an diese Freiheit? Wie soll es mit uns weitergehen, wenn wir in einer moralisch immer verrückter werdenden Welt nur glauben und predigen, dass unsere Hoffnung allein in der Zukunft liegt und in dem Wissen, wer unser Erlöser ist?

Quo vadimus, liebe Geschwister? In ein Leben der Schwäche und Selbstzufriedenheit oder des Selbstmitleids und der Resignation, der Angepassheit, des Mainstream, des Status quo? Oder in ein Leben der Kraft, Hoffnung, Freiheit, des Selbstwerts, des begeisterten Kampfes, der Fülle?

»Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.« (Johannes 10,10)


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