• Wie der Geist der Weissagung die adventistischen Vorreiter des Schweinefleischverzichts ermahnte: Vorsicht beim Umgang mit neuem Licht!

    Vorsicht beim Umgang mit neuem Licht!

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    Nicht alles, was wahr ist, muss gleich zum Richtmaß erhoben werden. Manche Wahrheit leuchtet erst mal im Stillen. Von Ellen White

Sonntag, 30 November 2014 – 10:20 Uhr

Das Skandalbuch, Teil 2: Das Schlachtfeld

Das Schlachtfeld

Bild: Photoprofi30 - shutterstock.com

In Teil 1 begann Ralph Larson zu erzählen, wie er als Pastor der Adventgemeinde zum ersten Mal bemerkte, dass Lehrveränderungen sich breit machten. In der Meinung, dies sei das lokale Problem der Ortsgemeinde in Loma Linda, machte er sich daran, dieses zu beheben. Doch er erlebte eine Überraschung.

Ich machte mich daran, die Reinheit unseres historischen Glaubens als Siebenten-Tags-Adventisten in Loma Linda öffentlich zu verteidigen. Doch sofort wurde ich der Polarisierung, der Kampflust, des Übereifers und der Ruhestörung beschuldigt.

Eine kleine Gruppe von Ältesten beraumte eine Sitzung an, in der mein Fall diskutiert werden sollte. Sie luden auch den Vereinigungspräsidenten dazu ein. Ich musste sie daran erinnern, dass ich nur dem Vereinigungsausschuss gegenüber rechenschaftspflichtig war, nicht ihnen. Daher würde ich mich dem Verfahren irgendeines Scheingerichts nicht stellen, aber gerne vor dem Vereinigungsausschuss Rede und Antwort stehen.

Was ist das wahre Evangelium?

Ein Ältester suchte mich in meinem Büro auf und sagte mir, dass ich nicht das wahre Evangelium predige. Ich war überrascht. In den dreißig Jahren, in denen ich das Evangelium gepredigt und gelehrt hatte, war es immer als wahres Evangelium durchgegangen. Warum sollte es in Loma Linda nun nicht mehr wahr sein? Der Älteste empfahl mir, die Predigten meines Vorgängers William Lehman zu lesen. Darin würde ich das wahre Evangelium finden, so sagte er. Ich tat es; doch die Sache blieb mir weiterhin rätselhaft. Als ich dies dem Ältesten sagte, erwiderte er: »Lies doch einmal die Bücher von Dr. Edward Heppenstall.«

Das wollte ich gerne tun, denn ich hatte unter Dr. Heppenstall am College studiert und seinen Unterricht sehr genossen. Damals wusste ich nicht, dass er zu der Gruppe gehörte, die das Buch Questions on Doctrine herausgegeben hatte. Schon bald konnte ich mir drei Bücher besorgen. Zwei davon stammten ganz aus der Feder von Dr. Heppenstall und das dritte enthielt eine Abhandlung von ihm. Das erste, Salvation Unlimited (Unbegrenztes Heil), erschien 1974, drei Jahre vor meinem Antritt in der Gemeinde Campus Hill. Das zweite, Perfection (Vollkommenheit), erschien 1975. Das dritte, The Man Who Is God (Der Mensch, der Gott ist), erschien 1977, in dem Jahr, in dem diese Ereignisse stattfanden.

Doch ich fand auch in diesen Büchern nicht die Hilfe, die ich brauchte. Einige Abschnitte vertraten mit Leidenschaft die calvinistische Lehre, dass Christen mit dem Sündigen weder aufhören können noch müssen. Andere Abschnitte verneinten dies mit derselben Leidenschaft. Aus den vielen widersprüchlichen Beispielen nenne ich hier nur drei:

»Sündlose Vollkommenheit ist Gottes Ideal für seine Kinder … Sie wird erst Wirklichkeit, wenn Jesus wiederkommt, nicht vorher.« (Perfection, 63 Hervorhebung hinzugefügt)

»Die Bibel lehnt jede Möglichkeit ab, dass wir schon in diesem Leben sündlose Vollkommenheit erreichen.« (Perfection, 73)

»Dem Christen sollte es nicht schwer fallen, das Gesetz zu befolgen.« (Salvation Unlimited, 226)

Die drei Bücher – aus 1974 (Salvation Unlimited), 1975 (Perfection) und 1977 (The Man Who Is God) widersprachen sich eindeutig. Allen drei konnte ich nicht zustimmen. Ich musste mich entscheiden. So entschied ich mich, dem Buch zuzustimmen, das unseren Glauben am besten wiedergab (Salvation Unlimited). Die anderen beiden unterstützten anscheinend die calvinistische Lehre vom Heil in Sünden (Perfection und The Man Who Is God).

Edward Heppenstall wird aktiv

Als Dr. Heppenstall davon erfuhr, war er sehr ungehalten. Er rief an und bat um einen Termin, an dem er in der Gemeinde Campus Hill seine Anschauungen verteidigen konnte. Sollte ich seinem Wunsch nicht entsprechen, so sagte er, würde er die Sache vor meinen Vereinigungsvorsteher bringen und ich bekäme große Probleme. So ließ ich ihn in einer Gebetsstunde sprechen, bei der ich aber auch öffentlich erklärte, warum ich mit einigem nicht einverstanden sei.

Was dann geschah, erinnerte mich an eine Bemerkung die Walt Blehm einmal gemachte hatte, als er mich drängte nach Campus Hill zu kommen. Er hatte gesagt: »Ralph, die Campus Hiller Kanzel ist eine der drei empfindlichsten Kanzeln in unserer Freikirche. Was dort am Sabbatmorgen gepredigt wird, wird am Sonntagmorgen in Washington in der Zentrale diskutiert.« Damals sagte mir das nicht viel, doch es erwies sich nun als wahr. Die Nachricht von der Gebetsstunde verbreitete sich nicht nur nach Washington, sondern um die ganze Welt.

Desmond Fords Heilslehre unter der Lupe

Und das war nur der Anfang. Bald musste ich Desmond Ford darauf hinweisen, dass er eine Aussage von Ellen White stark verdreht, ja die Bedeutung ihrer Worte gar auf dem Kopf gestellt hatte. Er forderte Beweise von mir, die ich gerne lieferte. Einige nahmen mir das äußerst übel.

Dann hatte ich Probleme mit einem Mitarbeiter. Einer meiner Hilfspastoren war ein leidenschaftlicher Anhänger von Desmond Ford und Robert Brinsmead und verkündigte ihre Lehren. Dies führte zu viel Verwirrung und zu großen Spannungen in der Gemeinde.

Ich wurde nach Washington in den Ausschuss gerufen, der die Lehre von Dr. Ford untersuchen würde, dass Christen mit dem Sündigen weder aufhören können noch müssen. Die Gemeindeleitung würde das Ergebnis im Review veröffentlichen. Eine ganz klare Mehrheit des großen Ausschusses (120 Personen) unterstützten das Ergebnis eines Unterausschusses: Dr. Fords Auffassungen seien nicht richtig.

Doch die Gemeindeleitung entschied, dies doch nicht im Review zu veröffentlichen. Das war eine Enttäuschung. Hätte man den großen Ausschuss, der aus Gliedern aus der ganzen Welt bestand, seine Ergebnisse im Review veröffentlichen lassen, hätte sich vieles geändert. Doch der Bericht sagte schließlich nur, dass die Frage, ob Christen mit dem Sündigen weder aufhören können noch müssen, offen gelassen und weiterhin studiert würde.

Angriff auf die Heiligtumslehre

Doch ein paar Wochen später outete sich Dr. Ford und startete seinen inzwischen gut bekannten Angriff auf unsere Heiligtumslehre. Er hatte einem meiner Hilfspastoren gesagt, dass er 95 Prozent aller Prediger hinter sich wisse. Er dachte anscheinend, die Zeit sei gekommen, die Gemeinde mutig herauszufordern und einen großen Teil zu erobern.

Ich war einer jener, die gebeten wurden, Dr. Fords Angriff auf die Heiligtumslehre zu analysieren und meine Ergebnisse der Generalkonferenz mitzuteilen. Bald wäre eine GK-Sitzung und danach würde ein Sonderausschuss in Glacier View tagen, um sich mit dem Problem Ford zu beschäftigen.

Ich antwortete nicht sofort auf diese Anfrage; denn ich war der Auseinandersetzungen müde geworden und meinte, ich hätte bereits genügend »Geschosse« abgewehrt. Ich wollte es diesmal anderen überlassen. Doch dann quälte mich mein Gewissen und ich nahm die Herausforderung schließlich an.

Das Ergebnis war schockierend. Ich zählte 25 einzelne Argumente in Dr. Fords Angriff aufs Heiligtum. Von diesen waren 23 nach meiner Erkenntnis völlig erfunden, falsch und an den Haaren herbeigezogen. Die anderen beiden waren Halbwahrheiten.

Meine Abhandlung für Glacier View

Ich führte alles in einer Abhandlung aus, die ich »Replik« (Reply, Erwiderung) nannte. Doch dann hatte ich ein Problem. Es blieb mir keine Zeit mehr, meine »Replik« an die Generalkonferenz zur Vervielfältigung und zum Versand an die Ausschussglieder von Glacier View zu schicken.

Was sollte ich tun? Ich ließ von meinen Sekretären Kopien anfertigen, belud damit meinen Koffer und nahm ein Flugzeug zur Generalkonferenz in Dallas, Texas. Ich würde sie selbst übergeben.

Ich hatte eine Liste derer, die am Glacier View Ausschuss teilnehmen würden, um sich mit der Ford-Problematik zu beschäftigen. Sie alle nahmen natürlich auch an der Generalkonferenz selbst teil. Ich verbrachte fast einen ganzen Tag damit, ihre Hotelzimmer zu finden und die Rezeptionen zu bitten, eine Kopie meiner »Replik« in ihre Briefkästen zu stecken. Als das getan war, wäre ich am liebsten wieder heimgeflogen. Geschäftssitzungen, Vorstandssitzungen, Ausschusssitzungen waren für mich schon immer ermüdend gewesen.

Doch ich war mit zwei Predigerkollegen auf einem Zimmer und sie erhoben große Einwände. Sie bestanden darauf, dass es meine Pflicht sei zu bleiben. Schließlich willigte ich ein, einen Tag zu verlängern, um zu sehen, ob es noch irgendetwas für mich zu tun gab.

Am Morgen füllte ich meine Aktentasche mit Kopien meiner »Replik« und begab mich zum Versammlungssaal. Es war ein rundes Gebäude, das von Hallen umgeben war. Als ich eine solche Halle betrat, sprach mich ein Delegat aus einem entfernten Land an:

»Bist du Ralph Larson?«, fragte er.
»Ja«, antwortete ich.
»Hast du eine Replik an Desmond Ford geschrieben?«
»Ja.«
»Kann ich da irgendwie an eine Kopie kommen? Ich brauche sie unbedingt.«
»Ja«, sagte ich. »Ich habe eine für dich dabei.«

Dann ging ich ein paar Schritte und die Begebenheit wiederholte sich. Und wieder. Und wieder. Auf diese Weise erhielten die Delegaten vieler Länder meine »Replik«.

Dann kam der Anwalt Lewis Walton aus Bakersfield, Kalifornien, auf mich zu. »Ralph«, sagte er, »wenn du es mir erlaubst, sende ich eine Kopie dieser Abhandlung an jeden Prediger unserer Gemeinde in Nordamerika.«

Natürlich gab ich ihm meine Erlaubnis, doch ein hochrangiger Gemeindeleiter, der dabeistand, sagte: »Wäre es nicht besser vorher die Zustimmung des Vorstehers einzuholen?« Unschuldig stimmte ich seinem Vorschlag zu und gab ihm eine Kopie für den Vorsteher.

Ich hätte es besser wissen sollen. Das war ein tragischer Fehler. Doch ich war in Politik nicht geschult. Ich würde meine bittere Lektion erst lernen, als der Bericht aus dem Vorsteherbüro zurückkam: »Eine wunderbare Abhandlung, doch bitte versende sie nicht.«

So wie den Gliedern der Weltgemeinde die klare Aussage im Review vorenthalten wurde über das, was in dem Ausschuss in Washington geschehen war, so wurde nun den Predigern in Nordamerika eine klare Bloßstellung der Irrtümer Desmond Fords vorenthalten. Das nennt man Politik.

Flucht auf die Philippinen

Ich war inzwischen wieder in meinem Alltag in Loma Linda. Aber ich wurde der Auseinandersetzungen müde und dachte daran Frührente zu beantragen. Durch eine Reduzierung der Pension hätte ich mit 61 in den Ruhestand gehen und die endlosen Konflikte und das Hickhack hinter mir lassen können. Ich begann in dieser Richtung Pläne zu machen.

Doch dann geschah etwas Wunderbares. Ich erhielt einen Ruf von der Generalkonferenz. Ob ich bereit wäre auf die Philippinen zu gehen, um am Far Eastern Theological Seminary Evangelisation zu lehren?

Ob ich dazu bereit wäre? Ich stürzte mich darauf! Ich würde die Prediger, die dorthin zur Fortbildung kommen würden, in Evangelisationsmethoden unterrichten. Mit einzelnen Gruppen würde ich in den Großstädten in Fernost Evangelisationen durchführen. Das würde eine wahre Freude werden. Ich könnte der Kampfzone Loma Linda entkommen und die Spannungen und Auseinandersetzungen vergessen, mit denen sich die Gemeinde in den USA herumschlagen musste. Halleluja!

Auf den Philippinen erwartete mich eine böse Überraschung, aber das war mir zum Glück nicht bewusst. Ich kehrte den USA mit wehenden Fahnen den Rücken.

Das Skandalbuch, Teil 3: Unglaublich, aber wahr! lesen Sie hier.

Aus: Our Firm Foundation, vol. 19 no. 3, March 2004

PDF (ab Seite 13):
http://www.andrews.edu/library/car/cardigital/Periodicals/Our_Firm_Foundation/2004/2004_03.pdf

HTML: www.closureforjesus.com/?p=953


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